Grüne Fonds: Die 7 häufigsten Irrtümer

Hier erfahren Sie, worauf Sie bei diesen Geldanlagen wirklich achten sollten – und welche Aussagen über grüne Fonds nicht mehr sind als heiße Luft.

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Wer heute sein Geld anlegen will, der hat oft nicht mehr nur die Altersvorsorge, den Vermögensaufbau oder das Eigenheim im Blick, sondern will damit gleichzeitig etwas Gutes tun. So weit, so gut – doch Anleger*innen wird es nicht gerade leicht gemacht. Denn mit dem steigenden Angebot an nachhaltigen Produkten entwickelt sich der grüne Finanzmarkt momentan eher zu einem regelrechten Dschungel. Nicht selten stolpern Anleger*innen deshalb über das eine oder andere Produkt und fragen sich: Steckt wirklich so viel drin, wie draufsteht? Welcher Grüne Fonds ist wirklich grün und wo zeigt die Ampel doch eher auf rot? Und kann man mit nachhaltigen Geldanlagen überhaupt wirklich Gewinn machen? 

Dieser Artikel soll Ihnen als Guide durch den Dschungel dienen und Sie mit dem nötigen Wissen ausrüsten. Deshalb gehen wir hier den 7 häufigsten Irrtümern zu Grünen Fonds nach.

Was sind Grüne Fonds?

Grüne Fonds sind Investmentfonds, die sich im bekannten Investment-Dreieck zwischen Rentabilität, Sicherheit und Liquidität positionieren und zugleich Nachhaltigkeit als Ziel verfolgen. Dabei steht ökologische Nachhaltigkeit im Vordergrund. Doch auch soziale oder wirtschaftliche Nachhaltigkeitsaspekte können berücksichtigt werden. 

Das größte Problem hier ist jedoch: All die am Finanzmarkt gern genutzten Begriffe rund um Nachhaltigkeit – grün, ethisch, ökologisch – sind nicht geschützt. Anbieter haben deshalb quasi unbegrenzte Möglichkeiten, um ihren konventionellen Finanzprodukten einen tiefgrünen Anstrich zu verleihen, wo sie in Sachen Nachhaltigkeit sonst vielleicht eher einen deutlichen Rotstich aufweisen würden. Steigen wir hier also direkt ein:

Irrtum Nr. 1: “Alles nur Greenwashing: Ohne die grüne Brille sehen alle Fonds gleich aus”

Schaut man sich sogenannte nachhaltige Finanzprodukte genauer an, ist man schnell ernüchtert: Laut Finanztest 07/20 der Stiftung Warentest konnten sich nur vier von 129 Investmentfonds wirklich als nachhaltig beweisen. Auch nachhaltige Anlagestrategien wie der Best-in-Class-Ansatz können stutzig machen: Dafür wird aus bestimmten Branchen der jeweils nachhaltigste Klassenbeste herausgefiltert. Klingt erst einmal nicht schlecht – bedeutet aber, dass auch beispielsweise ein Öl-Konzern plötzlich als “nachhaltig” bezeichnet werden kann. Es verwundert nicht, dass solche Zahlen und Strategien das Vertrauen in nachhaltige Geldanlagen erschüttern. 

Trotzdem lässt sich nicht alles über einen Kamm scheren: Es lassen sich auch genügend Anlagestrategien und Produkte finden, an denen man sich guten Gewissens orientieren kann. Der ESG-Ansatz bewertet nach konkreten Nachhaltigkeitskriterien in Sachen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Noch einen Schritt weiter geht das Impact Investing: Anleger*innen wird dafür die nachhaltige Wirkung messbar und transparent zugänglich gemacht. 

Wer also Lust und Motivation hat, sich wirklich zu informieren und dabei kritisch zu bleiben, wird auf seiner Suche nach Grünen Fonds erfolgreich sein.

Irrtum Nr. 2: “Grüne Fonds sind eine Nische für Ökos und Alt-68er”

Mit dieser Annahme liegt man eindeutig falsch. Denn die Nachfrage für grüne Geldanlagen schießt in die Höhe: Der nachhaltige Finanzmarkt entwickelt sich mit zweistelligen Wachstumsraten – schneller als der gesamte europäische Markt. Das Angebot an nachhaltigen Investmentfonds hat sich seit 2014 um mehr als das 4-fache gesteigert und vor allem bei jungen und digitalaffinen Menschen ist das Interesse an grünen Anlageprodukten besonders groß. Kein Wunder, denn vor allem junge Generationen werden unter den Auswirkungen des Klimawandels besonders zu leiden haben. Der Tatendrang und das Bedürfnis, mit allen (finanziellen) Mitteln etwas verändern zu wollen, nimmt hier ganz neue Dimensionen an. 

Aber nicht nur bei Privatanleger*innen kann mit Nachhaltigkeit gepunktet werden. Auch erfahrene Finanzkundige erkennen, was sich in diesem Bereich neuerdings alles tut: Von staatlichen Förderungen bis hin zu stetig steigenden Börsenkursen machen sich langfristige und lukrative Entwicklungen bemerkbar. Ganz gleich also, ob Öko oder anzugtragender Finanzhai – Grüne Fonds gewinnen an Boden. 

Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Irrtum:

Irrtum Nr. 3: “Grüne Fonds meinen es gut, doch darunter leidet die Rendite”

Auch mit dieser Behauptung wird es sich viel zu einfach gemacht. 

Was davon stimmt: die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio) von grünen Fonds liegt im Schnitt etwas höher als bei nicht-nachhaltigen Fonds. Das lässt sich damit begründen, dass weitere Dienstleistungen wie bspw. die Nachhaltigkeitsanalysen oder eine sorgfältige Auswahl gem. Nachhaltigkeitskriterien hinzukommen. Anleger*innen sollten dabei nicht vergessen, dass ein Plus an Kosten dabei mit einem Plus an Nachhaltigkeit und positiver Wirkung auf die Umwelt verbunden ist. 

Aber das will noch lange nicht heißen, dass Ihnen nachhaltige Investmentfonds das Geld aus der Tasche ziehen. Im Gegenteil: Nachhaltige Geldanlagen performen genauso gut, in vielen Fällen sogar besser als klassische Finanzprodukte.1 Denn ein scharfer Blick auf Nachhaltigkeit kann auch dabei helfen, die Performance und Robustheit des Produkts am Markt zu verbessern. Besorgte können also beruhigt sein - Grüne Fonds stehen der Rendite definitiv nicht im Wege.

Irrtum Nr. 4: “Ohne Wind kein Gewinn... Grüne Fonds sind Hochrisikoanlagen”

So einen Spruch hört man gern von Stammtisch-Kritikern, wenn es um Windkraftanlagen geht. Welches Argument steckt hier dahinter? “Ohne Wind steht das Rad still, produziert keinen Strom und verdient kein Geld.” In bestimmten Situationen steckt da sogar eine gute Portion Wahrheit drin, zum Beispiel bei einer Anlage in einen geschlossenen Fonds, der in einen spezifischen oder nur in sehr wenige Windkraft- oder Solaranlagen investiert hat. Dann muss man sagen: Das Risiko, dass die Anlage (aus welchen Gründen auch immer) ausfällt und sich so auf die Rendite niederschlägt, ist gar nicht so gering – vor allem in Zeiten, in denen sich die Klimakatastrophen von Überschwemmungen über ungekannte Dürreperioden bis hin zu anhaltenden Waldbränden nur so häufen. 

Doch es gibt viele Möglichkeiten, um solchen Risiken aus dem Weg zu gehen. Ein offener Impact Fonds beispielsweise, der viele Anlagewerte über verschiedenste Länder und Branchen verteilt, stellt für seine Anleger*innen nur einen Bruchteil des Risikos dar. Eine zweite Option sind nachhaltige Offene Immobilienfonds – sie gehören zu den risikoärmsten und langfristig stabilsten Finanzprodukten am Markt. Wem also beim Gedanken an stillstehende Windräder oder Solaranlagen unter einer Wolkendecke Angst und Bange wird, dem stehen eine Menge solider Alternativen offen, sein Geld trotzdem nachhaltig für sich und die Umwelt arbeiten zu lassen. 

Irrtum Nr. 5: “Social, Sustainable & Superduper Secure – Buzz Words, die ich nicht verstehe, haben mein Geld nicht verdient”

Mit diesem Motto fahren Sie grundsätzlich goldrichtig – nicht jedem Trend sollte man direkt aufsitzen, vor allem nicht, wenn es um Ihr Vermögen geht. Doch gerade wenn ein Trend sich bewährt, kann es sich bezahlt machen, sich das Wissen darüber zu verschaffen. Mittlerweile gibt es eine fast unendliche Menge an Artikeln, die sich mit dem nachhaltigen Finanzmarkt und dazugehörigen Anlagen gründlich auseinandersetzen. Ob objektive Tests, Podcasts, die Bundesinitiative Impact Investing oder unser hauseigener Glossar – aus diesen und noch viel mehr Quellen können Sie wählen, um sich Ihr eigenes Bild zu machen. 

Ein weiterer Vorteil: Sie erweitern Ihr Vokabular und schützen sich so noch besser vor finanziellen Reinfällen und Risiken. Vor Ihrem nächsten Investment unterscheiden Sie dann schon im besten Fall bei der Recherche zwischen nachhaltigen Aktienfonds, ESG-ETFs und Impact Fonds und kennen die jeweiligen Vor- und Nachteile. Nur so können Sie auch sicher sein, dass Ihr Geld da landet, wo Sie es haben wollen – nämlich dort, wo es wirklich etwas bewegt.

Irrtum Nr. 6: “Grüne Fonds dienen nur dem guten Gewissen, nicht meinem Portfolio”

Wer diese Annahme vertritt, befindet sich auf dem Holzweg. Grüne Geldanlagen sind nicht nur symbolische Beiträge, um das eigene Gewissen zu beruhigen – damit wird man ihnen in vielen Aspekten nicht gerecht. Diese Produkte stellen eine völlig neue Entwicklung am Finanzmarkt dar und können Ihren Portfolioaufbau um strategisch wichtige Aspekte ergänzen. Sie können beispielsweise in Werte wie erneuerbare Energien investieren, die bislang bei vielen Anleger*innen noch unterrepräsentiert sind. So können Sie Ihr Portfolio besser ausbalancieren. Auch investieren Sie in reale Sachwerte, die durch stabile und langfristige Cash-Flows eine solide Anlagemöglichkeit mit planbaren Erträgen darstellen. Grüne Anlageprodukte sind aber genauso dafür geeignet, Ihr Portfolio um renditestarke Aspekte zu ergänzen. Denn auch in Sachen Gewinn können diese Produkte oft um einiges mehr, als so mancher ihnen zutraut. 

Mit Grünen Fonds können Sie nachhaltig investieren und dabei aus einer Vielzahl an nachhaltigen Geldanlagen wählen – je nachdem, was Ihr Portfolio gerade braucht, um Ihnen mehr als nur ein gutes Gewissen zu bescheren.

Irrtum Nr. 7: “Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Grüne Fonds haben keine echte Wirkung”

Ganz im Gegenteil: Nur mit Ihrem Investment wird sich langfristig etwas für die kommende Generation verändern. Denn um im aktuellen Kampf gegen den Klimawandel etwas Positives bewirken zu können, sind Privatanleger*innen und ihr Kapital unverzichtbar. Erst mit andauernden und im besten Fall auch zunehmenden nachhaltigen Investments kann sich überhaupt ein Wandel in der Realwirtschaft abzeichnen. 

Um dieses Ziel überhaupt greifbar zu machen, hat die EU 2015 das Finanzinstrument ELTIF (European Long Term Investment Fund) auf den Weg gebracht. So konnten erst Produkte wie unser Impact Fonds klimaVest auf dem Markt eingeführt werden, der Investitionen in nachhaltige Sachwerte ermöglicht und das Klima dabei nachweislich und messbar schützt. Messbar heißt zum Beispiel, die CO2-Emissionen eines Fonds langfristig zu senken, indem alle anfallenden Emissionen transparent gemacht und nach einem festgelegten Grenzwert ausgerichtet werden. klimaVest bietet auch für Privatpersonen einen CO2-Rechner, der den eigenen Fußabdruck und eine entsprechende Kompensation durch ein nachhaltiges Investment bei klimaVest berechnet. 

Sie sehen: Grüne Fonds sind weder ein verstaubtes Nischenprodukt ohne wirklichen Zweck noch eine Marketingfalle, die Ihnen nur das Geld aus der Tasche lockt. Mit der richtigen Recherche bieten Ihnen grüne Fonds die Möglichkeit, mit Ihrem Geld wirklich etwas zu bewirken. So können Sie für sich selbst, aber auch für die kommenden Generationen einen signifikanten Beitrag für die Umwelt leisten, der sich finanziell und moralisch bezahlt macht. Die Zeit, um etwas zu bewegen, ist jetzt.

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1 Quelle: Gunnar, F., Busch, T. ; Bassen, A. (2015): »ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies«. In: Journal of Sustainable Finance & Investment 5.4, S. 210–233.Pinner, W. (2019). Nachhaltiges Investieren: konkrete Themen und ihre Bewertung. Wien: Linde international.