Impact Investment: Alles was Sie als Anleger wissen müssen

Jeder investierte Euro kann positive Wirkung erzielen - Impact. Immer mehr Anleger treffen die bewusste Entscheidung, ihren Beitrag dazu zu leisten.

klimaVest: 2 Kinder stehten in Island am Wasser und schauen auf die schmelzenden Eisberge und denken an ihre Zukunft

Geld ist Macht, sagt der Volksmund. Fakt ist: Geld ist der Treibstoff für die Wirtschaft und damit auch für gesellschaftliche Entwicklungen. Dadurch kann jeder Euro einen Unterschied machen – je nach dem, wofür er gerade arbeitet.

Was bewirkt meine Geldanlage? Wenn Sie sich mit nachhaltigem Investieren beschäftigen, stoßen Sie früher oder später auf das Konzept der Impact Investments. „Impact“ bedeutet Wirkung – es geht dabei um soziale und ökologische Mehrwerte, die finanziert werden, zum Beispiel zur Erreichung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (die "SDG"s, Social Development Goals), die die Vereinten Nationen sich für 2030 gesetzt haben. Doch inwiefern lässt sich sagen, wann etwas wirklich nachhaltig ist?

Impact Investments nehmen unter den nachhaltigen Geldanlagen eine Sonderstellung ein: Sie verbinden Rendite mit einer konkreten gesellschaftlichen Wirkung. Damit befindet sich das wirkungsorientierte Investieren im Nachhaltigkeitsspektrum auf der Seite mit strengeren Kriterien und ganzheitlichem Ansatz.

Dieser Leitfaden gibt Ihnen einen Überblick zu Impact Investments.  

Inhalt – Das erfahren Sie in diesem Artikel:

Wie es funktioniert

  • Was Impact Investment bedeutet
  • Wie Wirkung gemessen wird
  • Warum gerade ein neues Zeitalter des Investierens beginnt

Wie es in der Praxis aussieht 

  • Wie sich Impact Investment von traditionellen Ansätzen unterscheidet
  • Wie Impact Investment Umweltschutz und Rendite vereint 
  • Wie ein Impact Fonds investiert und Wirkung misst

Worauf Anleger achten können

  • Welche Anlagen sich für Privatanleger eignen
  • Warum die meisten Impact Investments nicht öffentlich gehandelt werden
  • Was Impact Investoren beachten sollten

Nach dem Lesen verstehen Sie, woran Sie Impact Investments erkennen und ob diese Anlageform zu Ihren Werten und Ansprüchen passt.

Was ist Impact Investment?

Definition Impact Investment:

Impact Investments sind nachhaltige Geldanlagen mit dem Ziel, finanzielle Rendite und gesellschaftliche Wirkung zu vereinen. 

Jede Investition kann eine Hebelwirkung entfalten. So kann eine Geldanlage zum Beispiel ökologische und soziale Innovationen fördern und verbreiten – oder eben nicht. Impact Investments wollen einen Unterschied machen, indem sie zukunftsfähige Lösungen finanzieren und ihren Beitrag nachvollziehbar machen. 

Die Herausforderungen der Menschheit in den kommenden Jahrzehnten sind gewaltig: Wasserknappheit, Bodenerosion, Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Armut und Krankheiten erfordern große Anstrengungen zur Bewältigung. Um eine lebenswerte Welt für alle zu gestalten, braucht es zudem Bildung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung. Mit dem Ziel, diese Herausforderungen anzugehen, formulierten die Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die die Weltgemeinschaft bis 2030 erreichen soll. Dazu gehören Gerechtigkeit, kein Hunger, Klimaschutz, saubere Energieversorgung, gute Arbeit und Frieden. Mit dem 17. Ziel „Kooperationen zur Erreichung der Ziele“ wies die UN alle Akteure darauf hin, dass jeder in der Verantwortung steht, seinen Beitrag zu leisten und Zusammenarbeit der Schlüssel ist. Auch die Finanzwirtschaft und alle Investor*innen sind gefragt. Denn um für diese Ziele konkrete Projekte umzusetzen, braucht es viel Kapital.

Genau hier setzt Impact Investment an: Das Geld der Anleger*innen fließt z.B. in erneuerbare Energien, Gesundheits- und Bildungsprojekte, bezahlbaren Wohnraum oder nachhaltige Landwirtschaft. Impact Investment ist zwischen zwei Extremen angesiedelt: Reine Philanthropie und reine Gewinnmaximierung.

Erstmals erwähnt wurde der Begriff „Impact Investing“ 2007: Damals veranstaltete die Rockefeller Stiftung im italienischen Bellagio ein Treffen für ausgewählte Investoren. Sie diskutierten, wie sich soziale, ökologische Leistung besser mit finanzieller Rendite verbinden lässt.1

Impact Investment vs. Impact Investing – ein Unterschied?

“Impact Investment” und “Impact Investing“ werden meist synonym verwendet. Im englischen Sprachgebrauch wird häufiger von Investing gesprochen. Wenn es einen Unterschied zwischen Impact Investment und Impact Investing gibt, dann am ehesten in der Grammatik: Während Impact Investments die Produkte (z.B. Impact Fonds) bezeichnet, beschreibt Impact Investing die Tätigkeit des Investierens (z.B. den Kauf bzw. die Aufnahme eines entsprechenden Produkts ins eigene Portfolio).

Im Vergleich zu anderen nachhaltigen Geldanlagen geht es beim Impact Investing nicht primär darum, die negativen Auswirkungen von wirtschaftlichen Tätigkeiten abzumildern. Für Anleger des wirkungsorientierten Investierens reicht es nicht, Prinzipien von Socially Responsible Investment (SRI) mit Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien anzusetzen (ESG-Ansatz). Vielmehr sollen die Investitionen gezielt bestimmte Projekte und Unternehmen unterstützen, die nachweislich eine gesellschaftliche Verbesserung fördern. 

Dabei steht die Absicht im Vordergrund: Zwar können klassische Investments auch sozialen Mehrwert stiften, doch Impact Investments zielen bewusst darauf auf, soziale und ökologische Wirkung zu entfalten. Dafür werden explizit Wirkungsziele festgelegt und die Wirkung des Investments gemessen. Die Non-Profit Organisation Global Impact Investing Network (GIIN) formuliert das 2017 so: Impact Investments sind „Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben einer finanziellen Rendite auch eine positive, messbare soziale und ökologische Wirkung zu erzielen." Die Bundesinitiative Impact Investing setzt sich dafür und für eine gute Kommunikation über den konkreten Impact ein.

Vier Merkmale von Impact Investments :

  • Absicht, positive gesellschaftliche Wirkung zu erzielen (Intentionalität)
  • Nutzung von Daten für die Anlagestrategie (Evidenz)
  • Management der Wirkungsperformance (Steuerung)
  • Beitrag zum Wachstum von Impact Investments (Erfahrungsaustausch)
Portraitfoto von dem klimaVest Head of Impact Investment, Tobias Huzarski

„Eine zentrale Herausforderung unserer Zeit ist es, Kapital ökologisch wirksam einzusetzen. Komplexe Herausforderungen wie der Klimawandel erfordern gemeinsames Handeln – daher wollen wir ökologisch wirkungsorientiertes Investieren vorantreiben.“

Tobias Huzarski, Head of Impact Investment, Commerz Real

Wie Wirkung gemessen wird

Impact Investments verfolgen konkrete ökologische und soziale Ziele – und ihre Erreichung muss nachweisbar, also messbar sein.

Grafik, die die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele darstellt, an denen sich klimaVest orientiert

Neben der Messbarkeit der Ziele ist es erforderlich, dass das Management transparent darüber kommuniziert.

Wirkung ist beim Impact Investment

  • intendiert
  • direkt
  • nachweisbar

Grundlage für die Bewertung sind die Sustainable Development Goals (SDGs). Auf diese 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung haben sich die Vereinten Nationen bei ihrer Generalversammlung 2015 geeinigt. 169 Unterziele beschreiben genauer, was die Weltgemeinschaft bis 2030 erreichen will. Die SDGs bieten damit auch eine Leitlinie und einen Maßstab für Investitionen mit sozialen und ökologischen Zielen.

Eine Kapitalanlage mit Impact sollte einen Beitrag zur Erreichung von mindestens einem der Ziele leisten. Viele Firmen berichten inzwischen über ihren Einfluss auf die verschiedenen Ziele und ihre konkreten Aktivitäten.

Kennzahlen für Impact Investments

Um die konkrete Leistung eines Investments zu bewerten, werden nicht-finanzielle Leistungskennzahlen herangezogen und evaluiert. Die meisten Angebote für wirkungsorientiertes Investieren sind noch jung. Inzwischen steigt die Zahl der öffentlichen Daten und Rahmenwerke. Wissenschaftler und Praktiker arbeiten kontinuierlich daran, das System der Wirkungsmessung zu verbessern. Eine Orientierung bieten seit 2018 die Impact Reporting and Investment Standards (IRIS+). Diese wurden entwickelt von der GIIN, der Rockefeller Foundation, dem B Lab und Acumen4.  Dieser Messgrößen-Katalog listet standardisierte Kennzahlen in Bezug zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Ähnliche Instrumente zur Wirkungsmessung sind das Global Impact Investing Rating System (GIIRS) Pulse und Social Return on Investment (SROI).

Beispiele für Kennzahlen zur Wirkungsmessung:

  • Liter eingespartes Wasser
  • Megawatt produzierter Ökostrom
  • Hektar neue Bio-Fläche in der Landwirtschaft
  • Fläche aufgeforsteter Wälder
  • Kilogramm recycelter Elektroschrott
  • Anzahl der neugeschaffenen Stellen
  • Anzahl der Schüler in neugebauten Schulen
  • Anzahl der verteilten Moskitonetze

Die meisten dieser Kennzahlen konzentrieren sich auf den Output und nicht den Outcome: Statt der Anzahl der verteilten Moskitonetze (Output) könnte auch die Zahl der verhinderten Malariafälle (Outcome) gemessen werden. Statt der Anzahl der neugebauten Schulen (Output) ließe sich auch die Erhöhung der Einschulungsrate (Outcome) erfassen. Solche Daten sind aber in der Regel schwierig zu erheben und zu isolieren. Zum Beispiel können viele Faktoren beeinflussen, wie gut die Abschlussnoten von Schülern sind – nicht nur die Anzahl der mit qualifiziertem Lehrpersonal abgehaltenen Schulstunden. Es ist dadurch nicht immer leicht nachzuvollziehen, inwiefern Impact Investments die beabsichtigten Ziele und Zielgruppen langfristig erreichen.

Produktanbieter können selbst entscheiden, wie sie die Wirkung bestimmen. Manche orientieren sich an bestimmten Standards, andere entwickeln eigene Metriken und Messinstrumente. Während einige qualitativ vorgehen, nutzen andere quantitative Kennzahlen. Die meisten eruieren ihren Impact vor allem in dem Handlungsfeld, in das sie investiert und für das sie sich Ziele gesetzt haben. Die Wirkung zu messen, kann sehr aufwändig sein und einen Teil der Rendite in Anspruch nehmen. Daher müssen Aufwand und der Nutzen abgewogen werden.

Beispiel: African GreenTec

Wie lässt sich leichter lernen und frischere Luft atmen? Wie kann man Lebensmittel auf einfache Weise länger haltbar machen? Durch Elektrizität! Das Sozialunternehmen African GreenTec bringt grünen Strom, Licht, Kühlung und Wasseraufbereitung in bisher nicht-elektrifizierte Dörfer Afrikas. Anhand eines Impact Models lassen sich die direkten und indirekten ökologischen und sozialen Effekte nachvollziehen: Stand Januar 2021 hat das Unternehmen laut eigenen Angaben knapp 25.000 Menschen mit Strom versorgt (SDG 7: bezahlbare und saubere Energie), über 2.000 Tonnen CO2 eingespart (SDG 13: Klimaschutz) und über 400 Kleinunternehmen mehr Produktivität ermöglicht (SDG 8: gute Arbeit und wirtschaftliches Wachstum). Außerdem können durch die Solarstromversorgung Kinder auch wenn es dunkel ist lernen, Dieselgeneratoren brauchen keine Abgase mehr in die Umwelt freisetzen und lückenlose Kühlketten retten Lebensmittel vor dem Verderben, was wiederum Hunger reduziert. In seinen Impact Facts stellt Africa GreenTec dar, wie die Geschäftsaktivitäten auf fast alle Ziele nachhaltiger Entwicklung einzahlen – und damit letztendlich sogar zu Frieden beitragen.

Standards für die Wirkungsmessung, an denen sich Impact Investment Anbieter orientieren können:

  • IRIS+ (das Instrument des Global Impact Investing Network GIIN)
  • United Nations Principles for Responsible Investment (UNPRI) 
  • Social Reporting Standard (SRS)
  • Harmonized Indicators (HIPSO)
  • Global Impact Investing Rating System (GIIRS)
  • Pulse 
  • Social Return on Investment (SROI)

Was zeichnet eine „korrekte” Messung aus? Damit sich die beabsichtigte Verwendung des Investments nachweisen lässt, sollte sich die Messung immer an der Wirkungsintention orientieren und möglichst direkt an der Quelle das Ergebnis messen.

Berücksichtigung aller Nachhaltigkeitsaspekte

Impact Investments folgen der Logik des „ESG-Dreiklangs“ und gehen ein Stück weiter. ESG steht für Environment, Social und Governance und bedeutet, ökologische und soziale Aspekte sowie Kriterien einer guten Unternehmensführung in die Anlagestrategie einzubeziehen. Darüber hinaus zielen Impact Investoren darauf ab, eine messbare Wirkung für Mensch und Umwelt zu erreichen.  
Nicht nur die positive Wirkung, sondern auch die Vermeidung negativer Auswirkungen wird bei Impact Investments betrachtet. Folgen Impact Investments der EU-Taxonomie, gibt diese Klassifizierung eine Orientierung für nachhaltige Geldanlagen.  Ein wesentliches Prinzip darin nennt sich DNSH: Do not significant harm. Es besagt, dass ein ökologisches Investment keinen bedeutenden Schaden nach sich ziehen darf.

Das DNSH gilt für alle Umweltziele der EU-Taxonomie:

  • Klimaschutz
  • Anpassung an den Klimawandel
  • nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling
  • Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  • Schutz gesunder Ökosysteme

Zusätzlich gelten soziale Mindestanforderungen, die sich aus den Grundprinzipien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ergeben:

  • Keine Zwangsarbeit
  • Keine Kinderarbeit
  • Vereinigungsfreiheit und Recht auf Arbeitnehmerorganisation
  • Tarifverhandlungen
  • Gleiche Entlohnung für männliche und weibliche Arbeitnehmer für gleichwertige Arbeit
  • Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung 

Ein neues Zeitalter des Investierens

Der Markt für Impact Investments wächst dynamisch. Das zeigen zum Beispiel die Marktstudie der Bundesinitiative Impact Investing und die Marktstudie der Bertelsmann Stiftung. In Deutschland wurde das Marktvolumen für 2019 auf 2,9 Mrd. Euro geschätzt – im Jahr 2012 waren es noch 24 Millionen Euro, 2015 waren es 69 Millionen Euro.  Während die Bundesinitiative Impact Investing eine sehr enge Definition von Impact verwendet, ziehen andere Studien den Kreis weiter auf und schätzen den Markt entsprechend größer ein. Alle Untersuchungen machen jedoch deutlich: Impact Investing ist eine Nische im raschen Aufstieg5

Das Wachstum geht vor allem auf neue Akteure zurück, die gesellschaftlich tragfähige Lösungen fördern wollen und dafür Investments in allen Anlageklassen und für alle Nachhaltigkeitsziele anbieten. Besonders drei SDGs sind dabei beliebt:

  • SDG 3 Gesundheit und Wohlergehen
  • SDG 7 Bezahlbare und saubere Energie
  • SDG 11 Nachhaltige Städte und Gemeinden

Knapp eine Milliarde Euro an Impact Investments   war 2020 von deutschen Investoren in Projekte mit diesen Schwerpunkten investiert6.  

Global erscheint der Markt durch eine breitere Definition von Impact Investing größer: Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzt sein Volumen auf 715 Mrd. US-Dollar7.  Über 1.700 Impact-Investing-Organisationen sind bekannt. Im Vergleich zum gesamten Aktienmarkt ist der Markt klein, aber stark in Bewegung: Er gilt als das am rasantesten wachsende Segment weltweit bei Investmentfonds. In den liberalen Wohlfahrtsstaaten des angelsächsischen Raums verbreitet sich die wirkungsorientierte Anlagestrategie am schnellsten.

Weltweit steigt die Erwartung an Unternehmen, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen. Besonders jüngere Generationen legen zunehmend Wert auf gesellschaftlichen Nutzen, im Vergleich zur Gewinnorientierung. In einer Umfrage 2018 unter mehr als 10.000 Millennials (1980-1998 geborene Menschen) aus 36 Ländern nannten viele der Befragten „Arbeitsplätze schaffen" (43%) und „die Gesellschaft verbessern" (39%) als die beiden wichtigsten Prioritäten für Unternehmen, verglichen mit nur 25 %, die „Gewinngenerierung" als Hauptziel des Unternehmens ansehen8.  

Die Altersgruppe der Millennials spielt die Hauptrolle beim bevorstehenden größten Vermögenstransfer in der Geschichte der globalen Finanzwelt: Weltweit werden die Vertreter der Baby Boomer Generation in den nächsten zehn Jahren ca. 24 Trillionen US-Dollar an die Millennials vererben. In Deutschland sind es zwei bis vier Billionen Euro. Die junge Generation wird in wenigen Jahren den Löwenanteil der Führungskräfte und Arbeitnehmer stellen. Und ihr Sinn für Nachhaltigkeit kann dem Markt für wirkungsorientiertes Investieren einen kräftigen Schub verleihen.
Impact Investments könnten in der Corona-Krise besonders widerstandsfähig sein, schätzten Experten in einer Erhebung im Frühjahr 20209. An der Börse lässt sich diese Wirkung nur mit „frischen“ Aktien, Anteilen und Anleihen erzielen – oder bei der Kapitalerhöhung eines   Unternehmens. Auch Darlehen können gesellschaftliche Zwecke konkret unterstützen. Oft treten sie in Form von Crowdinvesting auf, eine Anlageform, bei der viele Kleinanleger einen Betrag für ein konkretes Projekt investieren und bei Erfolg verzinst zurückerhalten. Ein rein auf messbaren Impact ausgerichtetes Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonto gibt es noch nicht, doch einige nachhaltigen Banken in Deutschland vergeben das Geld aus Sparkonten zumindest als Kredite an nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen und Projekte. 

Bei den meisten bestehenden Aktien, Aktienfonds oder Rentenfonds kann nicht direkt von Impact gesprochen werden. Denn wenn Sie sich als Anleger beispielsweise die Aktie eines Solarunternehmens kaufen, hat zunächst einfach nur eine Aktie den Besitzer gewechselt. Damit haben Sie aber noch keinen ökologischen Mehrwert kreiert. Bei Index-Fonds wie ETFs ist das ähnlich. Die Auswirkung auf die Realwirtschaft ist gering, wenn nur in der Finanzwirtschaft eine Bewegung stattfindet. Bei einem Impact Investment dagegen fließt Ihr Kapital in ein konkretes Projekt, z.B. für Solarenergie, und verändert so den Anteil an Ökostrom im Netz. 

Klassischerweise konzentriert sich das wirkungsorientierte Investieren vor allem auf Impact Fonds und Impact Bonds, da hier Investitionen direkt auf mehrere wirkungsorientierte Projekte und Unternehmen verteilt sind. Diese widmen sich oft einem bestimmten Thema, zum Beispiel Wald, Gesundheit, Bildung, Erneuerbare Energien oder Mikrofinanzkredite.

So unterscheidet sich Impact Investment von traditionellen Ansätzen

Mittel zum Zweck

Die Philosophie um sinnvolles Investieren lässt sich mit der Philosophie um gutes Essen vergleichen. Beide dienen als Mittel zum Zweck, doch dieser muss nicht einseitig sein. Würde man beim Essen nur auf die Kalorienzufuhr hin maximieren, wäre das Ziel mit der einfachen Nahrungsaufnahme erfüllt: Überleben gesichert. Doch Essen befriedigt auch andere Ziele, wie die Geselligkeit beim gemeinsamen Speisen, die lustvolle Berührung der Sinne, oder das Entdecken neuer Rezepte, Geschmacksrichtungen und Kulturen. Gerade in den letzten Jahrzehnten entwickelte sich abwechslungsreiche Ernährung zu einem wichtigen Element für einen gesunden Lebensstil, und zu einem Ausdruck von Persönlichkeit und Identität. Auch eine möglichst geringe Umweltbelastung ist Ziel mancher Ernährungsweisen. Die bisher dominierende Vorstellung, dass Investieren nur dem Zweck der finanziellen Rendite dienen soll, scheint bei diesem Vergleich ziemlich kurz gegriffen. Denn Lebensmittel nur als Mittel für die Aufnahme von Kalorien zu betrachten, käme einer bedauerlichen Degradierung gleich. Und auch Investieren kann viel mehr.

Der Unterschied zwischen Impact Investments und ESG Kriterien

klimaVest: Die Grafik zeigt Geldanlageformen mit Fokus auf nachhaltige Geldanlagen und deren Wertschöpfung

Impact Investment bildet die goldene Mitte im Investitionsspektrum: Zwischen den Extremen der reinen Gewinnorientierung und der reinen Philanthropie zielt das wirkungsorientierte Investieren auf eine Balance von ökologischen und sozialen Zielen und der Rendite ab. Bis in die 1970er Jahre bildeten soziale Wirkung und finanzieller Gewinn getrennte Kategorien wirtschaftlicher Aktivitäten – dann begannen sich Möglichkeiten dazwischen herauszubilden, wie SRI, ESG und Impact Investment.

Sozial verantwortliche Investitionen (SRIs) sind gewinnorientiert, aber schließen problematische Praktiken aus, die negative Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt haben. Dazu gehören z.B. Unternehmen, die Waffen und Rüstung, Alkohol, Tabak oder Glücksspiel anbieten, die Zwangsarbeit, Kinderarbeit oder Tierversuche nutzen und „Schurkenstaaten“, also Länder mit repressiven Aktivitäten. 

ESG Investments beziehen Aspekte bezüglich Umwelt (Environment), Sozialem (Social) und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance) in die Analyse für den Portfolioaufbau ein. Betrachtet wird z.B. der Beitrag eines Unternehmens zum Klimaschutz, für gute Arbeitsbedingungen sowie zur Korruptionsprävention. Die ESG-Indikatoren geben Hinweise, haben jedoch keinen direkten Einfluss auf eine nachhaltigere Ausrichtung der Unternehmen im Kerngeschäft.

Impact Investments binden ESG-Kriterien in ihre Anlagestrategie ein, gehen jedoch darüber hinaus: Die Investition ist mit klar messbaren ökologischen und/oder sozialen Zielen verbunden, über deren Erreichung transparent berichtet wird. Ein Impact Fonds entspricht bestimmten Rahmenbedingungen der EU-Taxonomie und der EU-Offenlegungsverordnung (Art. 9)   für nachhaltige Investments. 

Social Investments entfalten eine positive ökologische bzw. soziale Wirkung, sind aber nicht auf Rendite ausgerichtet und tragen zum Kapitalerhalt bei. 

Impact Investment vereint Umweltschutz und Rendite

klimaVest: Die Grafik zeigt 3 Ergebnisse einer Umfrage von der Commerz Real AG bezogen auf das Potenzial des neuen Impact Fonds klimaVest

Über 66% der Anleger würden in einen Fonds investieren, der ökologische Wirkung und attraktive Rendite bietet – aber nur 22% denken, dass es so eine Investmentlösung auf dem Markt gibt10. Das kommt nicht von ungefähr: Bisher gab es relativ wenige Angebote, die Wirkung und Rendite verbanden, dabei aber auch das Level an Risikobereitschaft der Anleger trafen.

Erfahrene Impact Investoren sind mit dem Ertrag ihrer Kapitalanlage durchaus zufrieden. Im Jahr 2018 führte das Global Impact Investing Network (GIIN) eine Umfrage unter 229 – größtenteils institutionellen – Impact-Investoren durch. Sie hatten insgesamt 33,5 Mrd. US-Dollar investiert. 64% der Befragten erwarteten eine marktübliche Rendite für ihre Investitionen. 20% erwarteten, dass ihr Ertrag zwar unter, aber nahe am Markt liegt und 16% glaubten, ihre Rendite würde unter dem Markt liegen, so dass sie im Wesentlichen ihr Kapital erhalten könnten. Traf ihre Erwartung ein? Über 90% der Investoren berichteten, dass sie ihre Erwartungen erfüllt oder übertroffen haben.10 Auch in Deutschland harmoniert bei drei Viertel der Investoren ihre Erwartung mit den finanziellen Erträgen11.

Grafik: klimaVest positioniert sich in der Mitte zwischen positiven und messbaren Auswirkungen sowie einer attraktiven, finanziellen Rendite

Die alte Logik lautete: Ökologische oder soziale „Rendite“ und finanzielle Rendite fressen sich gegenseitig auf. Es komme zu einem Trade-off: Wächst das eine, sinkt das andere. Diese Annahme ist heute veraltet. Zwar schmälern die Kosten für die Mehrarbeit durch Auswahl, Steuerung, Messung und Kommunikation wirkungsorientierter Investments die Renditen. Die finanziellen Erträge sind beim Impact Investment ein wichtiges Ziel, aber gehen Hand in Hand mit der ökologischen und sozialen Wirkung.

Wie generiert wirkungsorientiertes Investieren Gewinne?

Das Kapital in Impact Investments fließt in konkrete Projekte für eine nachhaltige Entwicklung: Schulbildung, Windkraftanlagen, Sozialunternehmertum oder eine Fabrik mit nachhaltigen Produkten zum Beispiel. Dadurch ist der Ertrag für Investoren nicht wie bei anderen Wertpapieren von der Kursentwicklung an der Börse abhängig, sondern vom Erfolg des dahinterliegenden Business Plans. Dieser kann durch eine genaue Untersuchung (sog. Due Dilligence) von Investoren oder Fondsmanagern auf Herz und Nieren geprüft werden. Dabei spielen Faktoren wie die soziale oder ökologische Zielsetzung, die Erfahrungen des Teams und die Marktaussichten eine Rolle.

Typische Impact Investments sind z.B. Mikrokredite, die auf gesellschaftliche Wirkung ausgerichtet sind: Mit mehr als 30 Prozent machen sie den Löwenanteil des wirkungsorientierten Investierens aus. Dabei erhalten Menschen in ärmeren Regionen Kleinstkredite, um ihre Selbstständigkeit zu finanzieren. Vor allem Frauen – z.B. in Indien und Bangladesch – erhalten so die Möglichkeit, etwas in ihrem Dorf zu verkaufen, etwa Licht oder eine Stromtankstelle durch die Finanzierung eines Solarspeichers. Die Rückzahlungsmoral dieser Frauen und ihrer Gemeinschaften ist die höchste weltweit im Finanzsektor. Da es keinen Zugang zum Banksystem gibt oder die Zinsen örtlicher Kreditgeber oft im zweistelligen Bereich pro Tag liegen, ist das Angebot von Mikrofinanzinstitutionen zu faireren Konditionen bei den Kreditnehmerinnen beliebt. Für das scheinbar paradoxe aber erfolgreiche Konzept, den Ärmsten Geld zu leihen, erhielt der Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis.

In den letzten Jahren wachsen wirkungsorientierte Investments in Infrastrukturprojekte, etwa Erneuerbare Energien. Als Sachwerte generieren sie eine vergleichsweise sichere und attraktive Rendite. Je nach Konzept lässt sich auch mit dem Angebot von bezahlbarem Wohnraum, Bildungs- und Gesundheitsprojekten sowie ökologischer Landwirtschaft Geld verdienen. 

Diese Anlagen eignen sich für Privatanleger

Impact Investment Angebote für Kleinanleger waren vor wenigen Jahren noch rar gesät. Bisher investierten vor allem Stiftungen, Finanzinstitute, Organisationen der Entwicklungsfinanzierung, Family Offices (private Vermögensverwaltungen) und Pensionskassen in risiko-intensivere, weil jüngere Sozialunternehmen. Doch inzwischen öffnen sich immer mehr Anbieter auch für Privatanleger, die Nachhaltigkeit, Wirkung und Rendite verbinden wollen. Dabei kommen verschiedene Finanzinstrumente als Vehikel für wirkungsorientiertes Investieren zum Einsatz.

Typische Impact Investing Anlagen für Privatanleger können sein:

Beteiligungen
Traditionell bewegen sich die meisten Impact Investments für Privatanleger außerhalb des regulierten Finanzmarkts. Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) stellt hier weniger Auflagen. Für ökologisch orientierte Startups oder Sozialunternehmen ist es attraktiv, sich relativ unkompliziert an diesem „grauen“ Kapitalmarkt Geld zu beschaffen, weil die aufwändigen und teuren Informationsbroschüren für Anleger, die die BaFin fordert, hier deutlich kleiner ausfallen. Die Behörde prüft lediglich, ob die Angaben zu den Finanzprodukten vollständig und kohärent sind, nicht aber ihre Richtigkeit oder Wirtschaftlichkeit.

Die persönliche Bindung zwischen Unternehmen und Investoren z.B. beim „Crowdinvesting“ ist für die jungen Firmen vorteilhaft, denn ihre „Community“ kann ihnen mit Kapital, Erfahrungen, Kontakten und Empfehlungen zur Seite stehen. Die Investmentmöglichkeiten sind vielfältig, von Direktinvestments bzw. Unternehmensbeteiligungen oder Bürgeraktien über Genussrechte und Nachrangdarlehen bis Namensschuldverschreibungen. Wenn Sie hier investieren, beteiligen Sie sich mit Risikokapital, auch Wagniskapital genannt – und ein Totalverlust ist nicht unwahrscheinlich. Denn über 80 Prozent der Startups scheitern innerhalb von drei Jahren – wobei diese Zahl stark branchenabhängig ist. Gründungen von Restaurants und kleinen Geschäften gelten als besonders anfällig, wohingegen solche, die Megatrends wie Wohnen, IT, Nachhaltigkeit oder Infrastrukturausbau bedienen, bessere Chancen haben.

Social Impact Fonds und Offene Impact Fonds
Es gibt einige wenige Vermittler, die Impact Investoren und Sozialunternehmen zusammen bringen. Als Risikokapitalgesellschaft bieten sie so genannte European Social Entrepreneurship Funds (EuSEF) an, die der EU-Verordnung unterstehen und daher zum Beispiel eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro, in der Praxis meist eher 500.000 Euro fordern. Social Impact Investing leisten sich daher meist nur Family Offices, die die Vermögen wohlhabender Familien verwalten. Wegen des bürokratischen Aufwands sind Publikumsfonds eher unwahrscheinlich. Die Renditeaussichten der Social Impact Fonds umfassen eine große Spannweite; zum Teil sind sie lediglich am Kapitalerhalt interessiert.

Bei offenen Impact Fonds gilt es genau hinzuschauen. Denn nur weil ein Fonds für Aktien, Renten oder mit einer Mischung aus Anteilen und Anleihen das Wort „Impact“ im Namen trägt, heißt das noch nicht, dass diese Wirkung wirklich gemessen wird und die Anlage einen direkten Beitrag leisten kann. Manchmal handelt es sich dabei um Fonds, die nach ESG-Kriterien investieren und z.B. einem bestimmten Themenbereich, der sich den SDGs zuordnen lässt, aktiv sind – etwa „Bildung“ oder „sauberes Wasser“. Achten Sie darauf, wie der Anbieter über konkrete Verbesserungen kommuniziert, z.B. zur Reduktion des Wasserverbrauchs.

Mikrofinanzfonds
In Ländern mit geringen Einkommen können schon kleinste Kredite viel bewirken. Denn einkommensschwache Menschen haben oft keinen oder kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen – und wenn, dann zu horrenden Konditionen. Ziel von Mikrofinanz ist es daher, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern die Chancen auf wirtschaftlichen Fortschritt durch Kleinkredite zu verbessern. Meist gründen die KreditnehmerInnen   damit eine Existenz oder bauen ihre Selbstständigkeit aus.

Der Weg des Geldes im Mikrofinanzfonds verläuft dabei über Mikrofinanzinstitute vor Ort. Sie verleihen geringe Beträge an Teile der Bevölkerung, deren Kreditwürdigkeit für Banken in der Regel nicht ausreicht. Der Impact wird gemessen anhand von Indikatoren wie Kredithöhe oder Anteil der männlichen und weiblichen Kreditnehmer. Auch im Mikrofinanzmarkt gibt es schwarze Schafe, weswegen sich die Anlageform mit dem allgemeinen Vorwurf konfrontiert sieht, zu hohe Zinsen (20-30%) aufzurufen. Dies könne Einkommensschwache in eine zusätzliche Armutsfalle treiben. Wenn Sie eine Investition in Erwägung ziehen, fragen Sie am besten nach, welche Zinspolitik die Vertragspartner vor Ort verfolgen und welche Ansätze es gibt, um eine Schuldenspirale für Kreditnehmer*innen zu verhindern. Die Schwankungen der Fonds für Sie als Anleger sind gering, im Hinblick auf die Rendite lohnt ein Anbieter-Vergleich und der Blick auf die Performance der letzten Jahre, mit 2% p.a.13  liegt man schon ganz gut. 

ELTIF
Der Europäische langfristige Investmentfonds (ELTIF) ist ein Investmentvehikel, das es seit 2015 gibt. Damit möchte die EU langfristige europäische Investitionen in die Realwirtschaft fördern und dazu auch Finanzmittel von Privatanlegern aktivieren, die bisher kaum in Infrastrukturprojekte investieren konnten. 

Gerade grenzübergreifende Herausforderungen wie der Klimawandel und die Energiewende brauchen Lösungen, die Kapital in die richtigen Bahnen lenken – in möglichst konkrete Projekte. Daher ist der ELTIF so angelegt, dass bis zu 70 Prozent des Kapitals in Sachwerte und Infrastruktur fließen. Zu den Anlageklassen gehören u.a. Erneuerbare Energien wie Windkraftwerke, Infrastruktur (v.a. für Transport, Telekommunikation, Energie und Abfallentsorgung), aber auch Anteile an Unternehmen (Private Equity) und Kredite (Private Debt). 

Zwar ist der ELTIF nicht per se auf Impact ausgerichtet. Doch der Ansatz bietet eine große Chance, dass auch Privatanleger ihr Kapital in grüne und soziale Infrastrukturprojekte wie z.B. Solarparks anlegen können, die eine messbare Wirkung erzielen. Dabei gelten derzeit noch Einschränkungen: Anleger müssen gesetzesbedingt ein Vermögen von mindestens 100.000 Euro und eine Mindestanlagesumme von 10.000 Euro (mind. zehn Prozent des Vermögens) mitbringen.
 
Green Bonds
Grüne Anleihen finanzieren bestimmte Projekte wie den Bau energieeffizienter Häuser oder Photovoltaikanlagen. Struktur, Risiko und Rendite gleichen denen klassischer Anleihen: Investoren erhalten Zinsen während der Laufzeit und am Ende ihren Kapitaleinsatz zurück. Das Spektrum der Anbieter von Green Bonds reicht von Banken und Konzernen bis Kommunen und Staaten. 

Für Transparenz im Markt sollen die Green Bond Principles (GBP) der International Capital Markets Association sorgen. Die Leitlinie für Offenlegung will es erleichtern, den Prozess der Produktauswahl, die Verwendung des Anleihevolumens, das Management und das Reporting einzuschätzen und vergleichbar zu machen. Die Börse Frankfurt führt ein eigenes Segment für Green Bonds, die die GBP erfüllen – darin sind 260 Angebote gelistet14.    

Der Green Bonds Markt ist dynamisch und wächst derzeit stark. Allerdings ist die Verwendung der Erlöse nicht verbindlich geregelt und bisherige Leitlinien bestehen auf freiwilliger Basis. Um Ihr Risiko gering zu halten, sollten Sie daher die Bonität der Anbieter genau prüfen.

Social Bonds und Social Impact Bonds
Die Anlageform der Social Bonds und Social Impact Bonds ist noch relativ jung und ihre Definitionen entsprechend vielfältig. Grundlegend fließt das Kapital der Anleger in Darlehen, die einen sozialen Mehrwert stiften sollen. Dazu gehören z.B. Projekte der öffentlichen Versorgung, im Bereich bezahlbares Wohnen, Gesundheit, Integration, Inklusion und Bildung. Private Banken bieten Anleihe-Programme als handelbare Social Bonds auch für Privatanleger, z.B. mit einer Investitionssumme ab 1.000 Euro. 

Dagegen handelt es sich bei Social Impact Fonds (SIBs) bzw. Sozialen Wirkungskrediten (SWK) um sektorübergreifende Politik- und Finanzierungsinstrumente für die Sozialwirtschaft. Dabei kooperieren drei Partner: soziale Dienstleister, private wirkungsorientierte Investoren (meist Stiftungen) und der Staat. Die Investoren finanzieren eine erprobte soziale Maßnahme („Intervention“), die der soziale Dienstleister durchführt, und erhalten bei Erfolg (soziale Wirkung) ihr Kapital zurück sowie eine Rendite vom Staat. Ein Ertrag fällt nur an, wenn die Staatskasse durch die soziale Maßnahme öffentliche Gelder einsparen konnte. Im Oktober 2020 hat zudem die EU die ersten Europäischen Social Bonds ausgegeben, die allerdings nicht für Privatanleger erhältlich sind. Für nicht-institutionelle Privatanleger ist diese Anlageform insgesamt noch weitgehend unerschlossen.

Warum die meisten Impact Investments nicht öffentlich gehandelt werden

Wirkungsorientierte Kapitalanlagen sind nicht an bestimmte Finanzinstrumente gebunden. Umgekehrt gibt es auch keine explizit auf Impact ausgerichteten Finanzinstrumente. Die Anbieter von Impact Investments gestalten ihr Produkt so, wie es am besten zu ihren Nachhaltigkeitszielen passt. Meistens fließt Impact Kapital in private Anleihen, öffentlich gehandelte Anleihen und Eigenkapital in Form von sogenanntem Private Equity15.  Für ihre grünen oder sozialen Geschäftsbereiche geben bestehende Unternehmen oder neue Social Startups in den seltensten Fällen eigene Aktien heraus. Stattdessen können einzelne Projekte durch Fremdkapital finanziert werden, z.B. eine projektgebundene grüne Anleihe für die Anschaffung eines elektrischen Fuhrparks oder ein Bonds für den Bau von Schulen. Insgesamt ist etwa ein Drittel des wirkungsorientierten Handels öffentlich, größtenteils als Green Bonds.

Für Anleger ist die Möglichkeit, ihre Anteile veräußern zu können, aus Risikosicht attraktiver. Dies ermöglicht beispielsweise der Impact Fonds klimaVest. Er hat eine eigene ISIN-Nummer, kann somit regulär im Depot geführt werden und investiert in Sachwerte mit positiver ökologischer Wirkung, v.a. Erneuerbare Energien Kraftwerke und grüne Stromnetze.

Impact Investment in der Praxis: So funktioniert ein Impact Fonds

Um gesellschaftliche Wirkung zu erzielen, unterstützen Impact Investments konkrete Projekte mit Kapital. Das Anliegen kann einen sozialen Mehrwert stiften oder ökologischen Zielen folgen.

Impact Investment Prozess

klimaVest: Die Grafik zeigt den Prozess des Impact Investments und die damit verbundene Wirkung

Das Geld der Anleger fließt entweder über Intermediäre wie Fonds-Emittenten oder als Direktinvestment an die Unternehmen und Projekte, die sich eine nachhaltigkeitsorientierte Wirkung zum Ziel gesetzt haben. 

Da der Klimawandel eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen des Jahrhunderts darstellt, kann ein Impact Fonds hier entsprechend viel bewegen – zum Beispiel durch die Finanzierung von Erneuerbaren Energien. Mit dem investierten Kapital bauen Projektentwickler neue Kraftwerke, wie Photovoltaik-Anlagen oder Windkraftparks. Weil Erneuerbare Energien per Gesetz einen Einspeisevorrang genießen, bevorzugt das Netz Strom aus regenerativen Quellen. Dadurch verdrängt jede durch den Fonds erneuerbar produzierte Kilowattstunde entsprechend fossilen Strom aus dem Netz.

Aber wie wird der Impact nachgewiesen? Die „Messung“ von Nachhaltigkeit hängt natürlich vom jeweiligen Investment ab. Bei der Produktion von Erneuerbaren Energien geht es um Klimaschutz und die Vermeidung von klimarelevanten Treibhausgasen. Daher bietet sich hier der Indikator „CO2-Emissionen je Kilowattstunde“ an. Damit die Produktion als sauber gilt, sollten das nicht mehr als 100 Gramm CO2 pro kWh sein16.    Da auch erneuerbare Anlagen bei der Bereitstellung der benötigten Rohstoffe zur Herstellung sowie in der Bauphase Treibhausgase emittieren, müssen diese CO2-Emissionen in der Berechnung subtrahiert werden. Insgesamt wird durch ein Investment in Erneuerbare Energien in Deutschland aber deutlich mehr CO2 vermieden als emittiert: Die Vermeidung liegt bei ca. 882 g CO2/ kWh, die Emission bei ca. 72 g CO2/ kWh17

Zur Berechnung lässt sich ein Ansatz namens „Combined Margin Approach“ der UNFCCC nutzen. Das Rahmenwerk ist ein weltweit anerkannter Standard des Clean Development Mechanism (CDM) zur Kalkulation von Emissionsvermeidung aus Klimaschutzprojekten. Der Vermeidungsfaktor setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: 

  1. den Emissionen pro Kilowattstunde der bestehenden Kraftwerke, dessen Betrieb durch das Projekt am stärksten beeinträchtigt (reduziert) werden wird (d.h. fossile Kraftwerke) und 
  2. den Emissionen pro Kilowattstunde der voraussichtlichen Kraftwerke, deren Bau und künftiger Betrieb durch das Projekt beeinträchtigt würde (d.h. effizienteste fossile Kraftwerke).

Zum Vergleich: In Deutschland werden durchschnittlich 523 Gramm CO2 als   direkte Emission aus der Verbrennung fossiler Energieträger emittiert. Das Impact Investment setzt sich dagegen ein „100-Gramm-Ziel“, um die Dekarbonisierung des Strom-Mix‘ zu unterstützen.
Gleichzeitig sollte der Impact Fonds garantieren, dass keine ökologischen und sozialen Schäden durch die Investition entstehen. Unter das „Do No Significant Harm“-Prinzip fallen beispielsweise unnachhaltige Wassernutzung, Umweltverschmutzung, Zwangsarbeit oder Diskriminierung. 
So tragen Investoren zum CO2-neutralen Stromverbrauch bei, denn ihr Kapital leistet einen Beitrag zur Transformation des Energieversorgungssystems und damit auch zum Klimaschutz. 
Diese Strategie verfolgt der Impact Fonds klimaVest. Er investiert privates Kapital in nachhaltige Sachwerte, vor allem Erneuerbare Energien, und macht die konkrete CO2-Einsparung der Vermögensanlage messbar. Wichtig ist, dass Impact Investment Angebote deutlich kommunizieren, wie sie einen gesellschaftlichen Mehrwert stiften. Eine Windkraftanlage nützt zum Beispiel, indem sie den Anteil an Ökostrom im Stromnetz erhöht und den Weg zu einer emissionsfreien Energiewirtschaft bereitet. 

Wie Sie Impact Investor*in werden können

Wenn Geld Macht ist, dann kann Ihr Investment einen Unterschied machen! Egal wo Ihr Kapital liegt, es arbeitet, aber für wen und für was – das können Sie beeinflussen. Wenn Sie sich für Impact Investing interessieren, gehen Sie systematisch vor.

  1. Informieren Sie sich über den Markt für nachhaltige Geldanlagen.
  2. Beachten Sie die Grundlagen für nachhaltiges Investieren.
  3. Überlegen Sie, welche Werte und Themen Ihnen wichtig sind, z.B. auch anhand von ESG-Kriterien.
  4. Stellen Sie Fragen, insbesondere:
    Was hat das Investment mit der „realen“ Welt zu tun?
    Wohin fließt das Kapital
    Welche Wirkung hat die Investition
    Wie wird der Impact gemessen und wie wird darüber berichtet? 
  5. Gehen Sie wie bei klassischen Investments mit der nötigen Vorsicht vor und sorgen Sie für ausreichende Diversifizierung in Ihrem Portfolio. Investieren Sie nur einen Teil Ihres Vermögens in Impact Investments.  
  6. Tauschen Sie sich mit Experten und Gleichgesinnten aus. Noch ist Impact Investing eine Nische, doch zur Bewältigung globaler Herausforderungen braucht es mehr Nachfrage und mehr Angebote für wirkungsorientiertes Investieren.
Fazit

Zum Schluss noch ein Gesundheitstipp: Die Lektüre von Impact Reports nachhaltiger Geldanlagen zeigt wie sich eine lebenswerte Zukunft gestalten lässt und kann zur Stimmungsaufhellung beitragen.

Viel Erfolg beim wirkungsorientierten Investieren!

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1 Jackson, E. T. (2012): Accelerating Impact: Achievements, Challenges and What’s Next in Building the Impact Investing Industry. New York, NY: The Rockefeller Foundation.
2 Global Impact Investing Network (2020): What You Need to Know About Impact Investing. thegiin.org/impact-investing/needto-know/;
3 Global Impact Investing Network (2019): Core Characteristics of Impact Investing. Retrieved from thegiin.org/characteristics
4 GIIN (2021): History. From IRIS to IRIS+. iris.thegiin.org/history/
5 Bertelsmann Stiftung (2020): Impact Investment in Deutschland 2020. www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Impact-Investing-in-Deutschland-2020.pdf 
6 Bundesinitiative Impact Investing (2020): Impact Investing in Deutschland 2020. Marktstudie. bundesinitiative-impact-investing.de/wp-content/uploads/2020/12/Impact-Investing-in-Deutschland-2020.pdf, S. 31.
7 GIIN (2020): How big is he impact investing market? thegiin.org/impact-investing/need-to-know/;
8 Deloitte (2018): Deloitte Millennial Survey. www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/global/Documents/About-Deloitte/gx-2018-millennial-survey-report.pdf
9 Bundesinitiative Impact Investing (2020): Impact Investing in Deutschland 2020. Marktstudie. bundesinitiative-impact-investing.de/wp-content/uploads/2020/12/Impact-Investing-in-Deutschland-2020.pdf, S. 50.
10 www.commerzreal.com/pressemitteilungen/pressemeldung/commerz-real-startet-ersten-impact-fonds-mit-sachwert-fokus-fuer-privatanleger/
11 Global Impact Investing Network (GIIN) (2018): Annual Impact Investor Survey 2018
12 Bertelsmann (2020): Impact Investment in Deutschland
13 Vergleich verschiedener Mikrofinanz-Fonds auf www.onvista.de 
14 Frankfurter Börse (2021): Segment für Green Bonds www.boerse-frankfurt.de/anleihen/green-bonds
15 Global Impact Investing Network (GIIN) (2020): Impact Investment activity 2019 // Assets under management by instrument of investment. Interactive Charts. thegiin.org/research/publication/impinv-survey-2020
16 EU (2020): TEG final report on the EU taxonomy. ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/200309-sustainable-finance-teg-final-report-taxonomy_en.pdf
17 Umweltbundesamt 2019, Fraunhofer ISE 2020