Nachhaltig investieren: Wie Sie erfolgreich "grün" investieren

Wie Sie Rendite und Nachhaltigkeit vereinen, woran Sie nachhaltige Investments erkennen und worauf Sie bei Auswahl und Kauf achten sollten.

klimaVest: Eine Frau steht am Fenster und schaut aus dem Fenster nach draußen und überlegt, wie sie nachhaltig investieren kann

Immer mehr Anleger sind überzeugt: Mein Kapital kann und soll etwas bewegen! Ob für’s Klima, die Artenvielfalt, Bildungsgerechtigkeit oder Wasserversorgung: Es gibt gesellschaftliche, ökologische und soziale Herausforderungen, deren Lösung Sie mit Ihrem Geld unterstützen können und dabei gleichzeitig ein Vermögen auf- und ausbauen können. Dabei müssen Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Rendite keine Widersprüche sein, sondern können sich gegenseitig verstärken. Denn Untersuchungen zeigen immer wieder, dass sich Nachhaltigkeitskriterien in der Geldanlage überdurchschnittlich positiv auf den ökonomischen Erfolg auswirken.1

Was kann man als Einzelner tun? Woran erkennen Sie "grüne Investments", die zu Ihnen passen? Und was hat wirklich Wirkung?

Dieser Text dient Ihnen als Leitfaden, der die wichtigsten Fragen rund ums nachhaltige Investieren klärt.

Inhalt: Das erfahren Sie in diesem Artikel:

  • Was ist Nachhaltigkeit?
  • Welche Kriterien gelten für nachhaltige Investments?
  • Welche nachhaltigen Investitionsansätze gibt es?
  • In welche nachhaltigen Geldanlagenformen können Sie investieren?
  • Welche Chancen und Risiken bergen grüne Geldanlagen?
  • Woran erkennen Sie nachhaltige Investments?
  • Wie gehen Sie am besten vor?
  • Was kosten die verschiedenen Anlageformen? 

Grün ist das neue Gold – aber auch hier ist nicht alles nachhaltig, was glänzt. Deshalb soll dieser Leitfaden auch beleuchten, wo zwar Nachhaltigkeit draufsteht, aber nicht unbedingt drin ist. Nachhaltige Anlagemöglichkeiten gibt es – wichtig ist, diese zu finden und zu verstehen, um nachhaltige Investitionsentscheidungen treffen zu können.

Was ist Nachhaltigkeit?

Das Konzept der Nachhaltigkeit wurzelt nach allgemeiner Auffassung in der Forstwirtschaft. Im Jahre 1713 drohte dem Freiberger Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz seine wichtigste Ressource Holz wegen des zunehmenden Silberbergbaus knapp zu werden. Carlowitz war daher überzeugt, es müsse eine "continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung" geben "ohne den Fortbestand des Landes" zu gefährden2. Kurz: Es sollten nicht mehr Bäume gefällt werden, als im selben Zeitraum nachwachsen können.

Diesen Gedanken der Dauerhaftigkeit nahm die Brundtland-Kommission der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 in ihre Definition von Nachhaltigkeit auf: „Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“ (Brundtland-Bericht).  Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, gilt weltweit und generationsübergreifend. Sie wurde zur Grundlage für alle weiteren Diskussionen. Vor allem die wegweisende Konferenz der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro machte das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als internationales Leitbild weltbekannt. 2015 haben die Vereinten Nationen diesen Anspruch einer nachhaltigen Entwicklung in ihre 17 Ziele, die sogenanntnen Sustainable Development Goals (kurz: SDGs) einfließen lassen. Demnach soll die Weltgemeinschaft bis 2030 unter anderem Hunger abschaffen, menschenwürdige Arbeit ermöglichen, Wirtschaftswachstum fördern, saubere Energienquellen ausbauen sowie nachhaltige Produktions- und Konsummuster anregen.

Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft

Nachhaltigkeit kann so facettenreich sein wie das Leben selbst – doch im Kern tauchen bei der Verwendung des Begriffs immer wieder drei Dimensionen auf: das Zusammenspiel aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Zukunftsfähigkeit. Dieser Dreiklang wird auch als „Triple Bottom Line“ oder „Nachhaltigkeitsdreieck“ bezeichnet. Dabei greifen Ökologie, Ökonomie und Soziales ineinander – in ihrer Schnittmenge entsteht das Leitbild der Nachhaltigkeit. Eine gesunde Umwelt bildet die Basis für eine friedliche Gesellschaft, in der wiederum eine florierende Wirtschaft arbeiten kann, die wiederum eine gesunde Umwelt fördert.

Ein Windradpark im grünen von der Vogelperspektive aus fotografiert

Ökologie: Der Respekt vor Umwelt und Natur

Der Begriff Ökologie bedeutet wörtlich übersetzt: Lehre vom Haushalt. Gemeint ist der Kreislauf der Natur, in der es keine Abfälle und Verschwendung gibt, sondern Energie und Ressourcen, die sich in Zyklen bewegen. Ihr Spiel von Nährstoffen, Klima, Gezeiten usw. ist Grundlage für alles Leben auf dem Planeten – und damit auch für die menschliche Gesellschaft und Wirtschaft. Damit diese Basis weiter funktioniert, ist die Menschheit dem Umweltschutz verpflichtet. Dazu gehören der sorgsame Umgang mit endlichen Ressourcen sowie die Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität und der Treibhausgas-Balance in der Atmosphäre (Klimaschutz).

Eine pflegebedürftige Person im Rollstuhl wird von einer Pflegerin durch den Park geschoben

Soziales: Der Gerechtigkeitsfaktor der Gesellschaft

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit umfasst die intragenerative Gerechtigkeit – zwischen Menschen in Nord und Süd, Ost und West – sowie intergenerative Gerechtigkeit – zwischen heutigen und künftigen Genreationen. Dieser Anspruch klingt einerseits komplex und ist andererseits vor allem für Kinder leicht zu fassen. Ein fairer und respektvoller Umgang miteinander, gleiche Chancen und die Achtung der Menschenrechte gehören dazu. Den Zusammenhalt der Gesellschaft unterstützt unter anderem die Förderung von Bildung, Dialog und Kultur.

4 Geschäftsleute sitzen an einem Meetingtisch und diskutieren über nachhaltige Finanzprodukte

Ökonomie: Die Relevanz der Wirtschaft

Eine funktionierende Wirtschaft braucht es, damit Waren und Dienstleistungen ausgetauscht werden können und so die menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden. Ist eine Lösung nicht ökonomisch tragfähig, fehlen die Mittel, um sie weiter anbieten und verbreiten zu können. Deshalb müssen nachhaltige Innovationen und Angebote immer auch die Wirtschaftlichkeit im Blick haben und einen nachweisbaren Mehrwert liefern.

Wachstumschancen durch Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit heißt Zukunftsfähigkeit. Wer in nachhaltiger wirtschaftende Unternehmen investiert, kann von deren Ausrichtung auch ökonomisch profitieren. Das liegt daran, dass die Wettbewerbsfähigkeit solcher Unternehmen dauerhaft ist, weil das Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt wird. Zudem steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Angeboten - Kunden machen sich zunehmend die Folgen ihres Konsums bewusst und suchen nach nachhaltigen Alternativen. Qualität und Preis sind nicht mehr ausschließlicher Fokus, die Aufmerksamkeit liegt zunehmend auf der Betrachung der gesamten Wertschöpfungskette: Fragen nach der Herkunft von Rohstoffen, den Arbeitsbedingungen in der Lieferkette sowie etwaigen negativen Auswirkungen von Produktion und Entsorgung. So üben Konsument*innen und Geldanleger immer mehr Druck im Hinblick auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung aus. 

Nachhaltigkeit wird von der Kür zur Pflicht, vom netten Feature zum Hygienefaktor. Wer die Erwartungen von Kunden und Lieferanten ignoriert, trägt ein Reputationsrisiko. Wer politische Entwicklungen wie die Pariser Klimaziele, die Nachhaltigkeitsberichtspflicht oder das Lieferkettengesetz verschläft, trägt mittelfristig auch ein juristisches oder zumindest finanzielles Risiko. All das wollen viele Anleger*innen immer seltener mittragen1. Stattdessen setzen gerade auch institutionelle Anleger in den letzten Jahren vermehrt auf Unternehmen, die ihren Vorsprung bei Innovationsfähigkeit und Mitarbeiterbindung durch ökologische und soziale Maßnahmen ausbauen und so auch ökonomische Wachstumschancen bieten. Ein Beispiel für diesen doppelten Erfolg sind die nachhaltigen Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkebranche. Sie erzielten eine im Durchschnitt sechs Prozentpunkte höhere EBIT-Marge als weniger nachhaltige Unternehmen der Branche2.

Kriterien nachhaltiger Investments: Es ist nicht alles nachhaltig, was "grün" glänzt

Definition: Nachhaltiges Investieren

Nachhaltiges Investieren ist der Versuch, sich beim Geldanlegen sowohl an den klassischen Kriterien von Sicherheit, Rentabilität und Liquidität zu orientieren, dabei aber gleichzeitig ökologische und ethische Aspekte in die Bewertung einzubeziehen. Wer nachhaltig investiert, legt mit seiner Geldanlage ebenso viel Wert auf Verantwortung für Umwelt und Menschen wie auf ökonomischen Erfolg.
 

Leitfragen für nachhaltiges Investieren

Der Begriff „nachhaltig“ ist nicht gesetzlich geschützt und nicht für alle Angebote klar definiert. Daher besteht die Möglichkeit, dass Produkte als grün, ökologisch oder sozial nachhaltig bezeichnet werden, ohne dabei bestimmten Kriterien zu folgen. Was genau eine „ethische Geldanlage“ sein soll oder wie sich „Green Money“ anlegen lässt, hat der Staat nicht definiert. Grün ist nicht gleich grün. 

Einigen Berechnungen zufolge sind in Europa bereits fast die Hälfte der Vermögen nachhaltig angelegt. Wie das sein kann, fragen Sie sich? Die Antwort: Es gibt „50 Shades of Green“. Diese Schattierungen von grün reichen von wenig anspruchsvoll bis sehr wirkungsvoll. Nachhaltig investieren ist ein Spektrum.

Am einen Ende des Nachhaltigkeits-Spektrums liegen Investmentansätze, die mit Ausschlusskriterien agieren. Das weitaus meiste nachhaltige Kapital investiert nach diesen Negativ- oder Exklusionskriterien. Das Aufkommen dieses Ansatzes ist gewissermaßen die Geburtsstunde des nachhaltigen Investierens. Über 40% der nachhaltigen Geldanlagen in Europa sind laut der Global Sustainable Investment Review nach diesem Ansatzt angelegt. Die Methodik: Fonds, die mit (selbst)bestimmten Exklusionskriterien arbeiten, schließen bestimmte Investitionen, Unternehmen oder Branchen aus. So werden beispielsweise Rüstungsgüter, Tabak oder Erdölförderung ausgenommen – der Rest des Anlageuniversums gilt dementsprechend als nachhaltig, gemessen an den definierten Negativkriterien. Damit lassen sich Investitionen ausschließen, die gesellschaftlich, ökologisch oder sozial nicht zukunftsfähig sind.

Am anderen Ende des Nachhaltigkeits-Spektrums liegt Impact Investment. Die Bundesinitiative Impact Investing beschreibt dies als einen Investmentansatz, bei dem „positive soziale oder ökologische Wirkung direkt, intendiert und nachweisbar“ ist. Direktheit, Intention und Nachweisbarkeit verschmelzen zu einem Investmentansatz, mit dem aktiv und lösungsorientiert positive Wirkung erzielt werden soll. Impact geht also in mehrerlei Hinsicht über Ausschlusskriterien hinaus.

Folgende Leitfragen können helfen, durch das Spektrum der nachhaltigen Geldanlagen zu navigieren:

Erstens, wie direkt ist der Bezug zur Realwirtschaft? Klimawandel beispielsweise entsteht durch eine hohe Konzentration von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre. Um dieses physische Problem in der „realen“ Welt anzugehen, muss die Lösung auch in der „realen“ Welt verhaftet sein – beispielsweise in Form von konkreten Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energien wie Wind- oder Solarparks, die durch CO2-Vermeidung einen aktiven Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels leisten. So bieten sich Sachwerte im Bereich erneuerbare Energien für Impact Investments an, da sie eine unmittelbare Wirkung in der „realen“ Welt erzielen können.

Zweitens, wohin fließt das Kapital des Anlegers? Hierbei ist ebenfalls relevant, ob und wie Kapitalflüsse letztlich in realwirtschaftlichen Aktivitäten münden, oder ob Kapitalflüsse im Orbit der Finanzwirtschaft verbleiben. Das Motto „follow the money“ wird ergänzt um „follow the impact“. Hier ist die Unterscheidung zwischen Primärmarkt und Sekundärmarkt wichtig. Fließt das Kapital des Anlegers beispielsweise an den Vorbesitzer der Anteile, wie beim Kauf von Anteilen an nachhaltigen ETFs an der Börse (Sekundärmarkt)? Oder fließt das Kapital des Anlegers in wirkungsorientierte Neuinvestitionen mit konkreten sozialen oder ökologischen Projekten (Primärmarkt)?

Drittens, wie konkret ist die Zielsetzung? Impact Investment zielt auf eine positive Wirkung auf gesellschaftlicher oder ökologischer Ebene. Bezüglich Umwelt und Ökologie hat die EU im Rahmen des europäischen Green Deals konkrete Ziele formuliert – hierzu gehören Klimaschutz, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft oder Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme. Wirkungsorientiertes Investieren kann hier ansetzen. Mit Blick auf diese Umweltziele werden sogenannte Leistungen und Ergebnisse definiert, wie beispielsweise eine bestimmte Menge an Ökostrom, die konkret auf diese Umweltziele hinwirken. Dabei gilt bei Impact Investments das sogenannte „do no significant harm“-Prinzip – bei der Erreichung eines Ziels, beispielsweise Klimaschutz, darf ein anderes Ziel, beispielsweise Biodiversität, nicht signifikant Schaden nehmen. 

Viertens, wie viel Transparenz erhält der Anleger über die Wirkung? Impact Investment verbindet finanzielle Rendite mit ökologischer oder sozialer Nachhaltigkeit – daher gilt auch der Anspruch, bezüglich Nachhaltigkeit dem Anleger gegenüber transparent zu machen, ob und wie diese Wirkung erzielt wird. Hierzu kann beispielsweise Reporting zur CO2-Vermeidung gehören, oder zur Menge an produziertem Ökostrom.  

Zusammengefasst: Ihre Leitfragen für nachhaltiges Investieren

  1. Bezug zur Realwirtschaft: Was hat das Investment mit der „realen“ Welt zu tun? 
  2. Weg des Geldes: Wohin fließt das Kapital?
  3. Zielsetzung für Nachhaltigkeit: Welche Wirkung hat die Investition?
  4. Transparenz über Zielerreichung: Wie wird gemessen, worüber berichtet?

Welche nachhaltigen Investitionsansätze gibt es?

Ausschlusskriterien: Raus mit allem, was nicht passt

Was ist Ihnen beim Investieren wichtig? Manchmal ist es einfacher zu sagen, was man nicht will. Manche Anleger finden Gentechnik okay, andere nicht. Manche haben nichts gegen Tabak oder Glücksspiel, andere wollen mit ihrem Geld nicht dazu beitragen, dass diese Industriezweige gedeihen. Einige Branchen und Anlagebereiche sind umstritten. Sie lassen sich beim Investieren ganz oder teilweise ausschließen – mit sogenannten Ausschlusskriterien. 

Bei dieser negativen Selektion setzen Sie bestimmte Branchen, Länder oder Geschäftspraktiken auf Ihre persönliche schwarze Liste. Damit leihen Sie Ihr Geld zum Beispiel nicht mehr an Firmen, die Waffen, Rüstung, Drogen, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornographie oder eben Gentechnik, Atomkraft, sowie fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Gas produzieren oder verkaufen. Eventuell möchten Sie auch Rohstoffe oder Gold ausschließen, weil es bei deren Gewinnung oft zu Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen kommt. Bei Staatsanleihen können Sie Länder ausschließen, in denen Todesstrafe und Kinderarbeit noch erlaubt sind oder die eine hohe Korruptionsrate haben.

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Bedeutung für Nachhaltigkeit

Wenn Sie diese Entscheidungen für sich getroffen haben, hilft das bei der Auswahl von nachhaltigen Geldanlagen ein Stück weiter. Oft macht es aber die mangelnde Transparenz schwer zu erkennen, was nun wirklich ausgeschlossen wird. Zudem kann dieses Kriterium nur eine Grundlage für Nachhaltigkeit sein: Wenn ein Fonds bestimmte Unternehmen wie z.B. Rüstungshersteller ausschließt, heißt das noch lange nicht, dass die restlichen Unternehmen im Portfolio nachhaltig wirtschaften. Das kennt jeder aus dem Alltag: Nur weil man kein Fleisch mehr von Discountern kauft, heißt das nicht, dass man aktiv etwas gegen Massentierhaltung unternimmt. Der Ausschluss von Kohleenergie heißt noch nicht, dass man aktiv den Klimawandel bekämpft.

Positivkriterien: Wissen, was man will

Im Gegensatz zu den Ausschlusskriterien definieren die Positivkriterien alle Bereiche, die das eigene nachhaltige Investment unterstützen soll. Je nach Ihren Werten gehören für Sie dazu zum Beispiel erneuerbare Energien, nachhaltige Gebäude und grüne Mobilität, biologische Landwirtschaft und ökologische Forstwirtschaft, alternative Bildung, bezahlbares Wohnen oder Mikrokredite für Menschen unter der Armutsgrenze. Sie können explizit Geld bei Firmen anlegen, die sich in besonderer Weise für Ressourcenschutz oder Mitarbeiterrechte einsetzen. Attraktiv sind dann vielleicht auch Anleihen von Ländern mit Rechtsstaat und Demokratie, die sich zur Einhaltung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten (z.B. OECD, ILO) bekennen oder das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert haben.

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Bedeutung für Nachhaltigkeit

Ihre Ausschluss- und Positivkriterien können durchaus einmal dasselbe Unternehmen treffen. Fällt z.B. ein Unternehmen, das 90% der Erneuerbare-Energien-Branche zuliefert, aus dem Raster, weil es noch zu 10% für Firmen mit teils fossilen Energien im Portfolio produziert? Ein Ausschluss kann also bedeuten, dass die mögliche Transformation hin zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen nicht mitfinanziert wird. Dieser Widerspruch lässt sich auflösen, indem Sie projektbezogen z.B. nur in den Aufbau eines Windparks investieren. Diese Möglichkeit bieten Impact Investments.

Impact Investment: Die Symbiose von Rendite und Nachhaltigkeit

Für Impact Investoren geht es um die konkrete positive Wirkung ihres Geldes. Für sie ist klar – und sie meinen das wertfrei: Geld hat Macht. Es macht einen Unterschied, ob man einfach nicht in unnachhaltige Dinge investiert oder explizit in – gemäß der eigenen Wertehaltung – sinnvolle Dinge. Darauf hat sich der Markt für Impact Investing spezialisiert. Impact Fonds schaffen beides: Sie verbinden die finanzielle Rendite direkt mit einem messbaren Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt.

Kennen Sie den Weg des Geldes?

Viele Anleger wollen mit ihrer Geldanlage etwas Sinnstiftendes bewirken. Doch sie glauben, wenn sie über eine Plattform für 1.000 Euro Aktien eines Unternehmens im Bereich Erneuerbare Energien kaufen, gehen diese 1.000 Euro an das Unternehmen und es kauft damit z.B. Solaranlagen. Fakt ist: Über diesen Sekundärmarkt findet das Kapital nicht den Weg in die Realwirtschaft. Wenn Sie eine bereits bestehende Aktie oder einen Fondsanteil kaufen, tragen Sie nicht direkt zur Schaffung neuer Werte bei, denn im Prinzip wechselt der Anteilsschein nur die Besitzer. Mit Ihrem Geld bewegen Sie nur etwas im Moment des Börsengangs (IPO) oder bei der Kapitalerhöhung von Investments für Sachwerte (wie Solarparks).   

Geldanlagen mit nachhaltiger Wirkung investieren in Organisationen, um ökonomische und sozial-ökologische Erträge zu generieren. Die finanzielle Rendite kann dabei unterschiedlich ausfallen, aber sie ist nicht wichtiger als Umwelt- oder Gesellschaftsaspekte. Diese nicht-finanzielle Rendite sollte messbar sein. Dafür werden konkrete Ziele und Indikatoren festgelegt, die sich mit einer regelmäßigen Berichterstattung nachvollziehen lassen.

Ein Beispiel: Ein Impact Fonds verfolgt das ökologische Ziel, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Um das zu erreichen, legen die Fonds-Manager vier Prüfsteine fest:

  1. Erreichung: Das Investment leistet einen positiven und messbaren Beitrag, gemessen durch die Reduktion von Treibhausgas-Emissionen.
  2. Rücksicht: Dabei kommt kein anderes ökologisches Ziel wie der Schutz von Ökosystemen signifikant zu Schaden.
  3. Sozial: Das Projekt erfüllt soziale Mindestanforderungen, folgt also unter anderem den Leitprinzipien zu Menschenrechten.
  4. Transparenz: Der Erfolg des Fonds wird gemessen und darüber berichtet. Technische Prüfkriterien machen beispielsweise den Ökobeitrag nachvollziebar.
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Bedeutung für Nachhaltigkeit

Mit Impact Investment können Sie konkret etwas bewegen und erhalten eine doppelte Rendite. Denn die Geldanlage verfolgt ein klares ökologisches oder soziales Ziel, dessen Erfolg gemessen und Ihnen als Investor*in über Reporting transparent gemacht wird. Der Hebel von Anlegern, die auf diese Weise wirken wollen, ist schon heute erstaunlich groß. Das Marktvolumen der Impact Investments ist heute mit 228 Mrd. US-Dollar bereits über 50% größer als das Volumen öffentlicher Entwicklungshilfe mit ca. 147 Mrd. US-Dollar3.   

Best-in-Class: Rendite mit den Klassenbesten

Jede Branche hat ihre schwarzen Schafe, aber auch ihre Klassenbesten. Wenn Sie – im Gegensatz zum Ansatz der Negativkriterien – keine Branchen ausschließen möchten, sondern die Besten in jedem Sektor mit Ihrem Geld fördern wollen, verfolgen Sie den Best-in-Class-Ansatz. Darin enthalten sind z.B. auch Hersteller von besonders effizienten Autos mit Verbrennungsmotoren. Sie bemühen sich um nachhaltige Verbesserungen im Automotive-Bereich, der schließlich einer der größten Arbeitgeber in Deutschland ist. Pluspunkte sind dabei ein Umweltmanagement oder Effizienzsteigerungen bei Ressourcen- und Energieverbrauch.

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Bedeutung für Nachhaltigkeit

Oft ist die Nachhaltigkeitsanstrengung der Klassenbesten nur ein Anfang einer langen Weges und der Klassenbeste ist derjenige, der zwar relativ im Vergleich zu den anderen das größte Stück gegangen ist, aber absolut noch sehr viel Weg zu gehen hat. Daran sehen Sie schon: Die Maßstäbe für diese Anlagestrategie sind relativ niedrig angesetzt, weswegen sie als Mindestanforderung für nachhaltiges Investieren gilt.

ESG: Standards für Nachhaltigkeit

Die Grafik zeigt die Definition für ESG = Environmental Social Governance und nennt Beispiele für die einzelnen Teile

ESG-Kriterien können Sie sich wie eine Art Gütesiegel für die Finanzbranche vorstellen. Die Abkürzung aus dem Englischen steht für Environmental, Social und Governance – also ökologische Ausrichtung, gesellschaftliche Orientierung und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Investments nach dem ESG-Ansatz betrachten diese Aspekte, ihre Gewichtung kann jedoch sehr unterschiedlich ausfallen.

Zum Engagement im Umweltbereich (Environmental) gehören beispielsweise Klimaschutz, Umweltmanagement, Energieverbrauchsreduzierung und die Schonung natürlicher Ressourcen. Die soziale Seite (Social) beinhaltet gute Arbeitsbedingungen mit Mindeststandards für Sicherheit und Gesundheit sowie dem Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Maßnahmen gegen Diskriminierung sowie Schulungsprogramme für Mitarbeiter. Zur ethischen Unternehmensführung (Governance) zählen ein unabhängiger Verwaltungs- oder Aufsichtsrat, die Bekämpfung von Korruption, klare Compliance-Richtlinien, oder dass alle Aktionäre gleichbehandelt werden (Prinzip der Einheitsaktie).

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Bedeutung für Nachhaltigkeit

Inzwischen orientieren sich viele Unternehmen und Finanzdienstleister an den ESG-Kriterien. Immer mehr Research- und Ratingagenturen nutzen den Ansatz, um Investments in Firmen als mehr oder weniger verantwortungsvoll zu bewerten. Die daraus entstehenden Nachhaltigkeitsratings bieten eine gewissen Transparenz – sie sind teilweise öffentlich zugänglich oder in Wertpapieranalysen anderer Investoren wie bei den Mitgliedern der Initiative für verantwortungsvolle Investments der Vereinten Nationen (UN PRI) enthalten.

Der ESG-Ansatz kann Ihnen also eine gute Orientierung bieten. Wichtig ist, dass Sie in Frage kommende Investments mit Ihrem eigenen Wertekatalog abgleichen. Verschiedene Anbieter von ESG-Anlageprodukten legen unterschiedliche Maßstäbe an ihre Produkte an.  Wenn sich ein Anlageprodukt an ESG orientiert, heißt das also noch nicht, dass die Unternehmen darin ganzheitlich nachhaltig wirtschaften. Und auf der anderen Seite: Wenn ein Unternehmen wegen der ESG-Kriterien mit seiner Branche für ein nachhaltiges Investment nicht in Frage kommt, fehlt ihm damit auch das Geld, um Probleme der betroffenen Branche zu lösen und zu einem nachhaltigen Wandel beizutragen. Letztendlich ist jedes Investment, das Aspekte von Umwelt, Sozialem und verantwortungsvoller Unternehmensführung einbezieht, ein Zeichen an alle Wirtschaftsakteure für eine nachhaltige Zukunftsausrichtung. 

In diese nachhaltigen Geldanlageformen können Sie investieren

Der Markt für grüne Geldanlagen oder soziale Investments ist inzwischen fast genauso breit aufgestellt, wie der klassische. Die meisten bekannten Investmentprodukte gibt es auch als nachhaltige Variante: Aktien, Fonds (auch ETFs), Rentenfonds, Tagesgeld, Festgeld und Anleihen.

Auch im grauen Kapitalmarkt, der weniger reguliert ist, aber dafür auch Startups und kleineren Projekten einen Zugang zu Geld bietet, boomen die ökologischen und ethischen Angebote, z.B. als Crowdfunding oder Nachrangdarlehen. Einige der wichtigsten nachhaltigen Geldanlageformen finden Sie im folgenden Überblick. Bei jedem der beschriebenen Finanzprodukte gilt: Sie funktionieren auch ohne Nachhaltigkeit, doch Nachhaltigkeit lässt sich mit ihrer Hilfe finanzieren. Daher lohnt es sich, jede Anlage mit den eingangs genannten Kernfragen zu beleuchten:

  1. Hat diese Investition einen Einfluss auf die reale Wirtschaft?
  2. Wo wird das angelegte Geld tatsächlich verwendet?
  3. Wie konkret ist der Einsatz des Geldes für die Nachhaltigkeit?
  4. Wie transparent wird das gemacht?

Giro-/Tagesgeld-/Festgeld-Konto

Eine der sichersten, aber dafür renditeschwächsten Anlageformen ist das gute alte Konto. In jetzigen Zeiten von Niedrigzins-Niveau verlieren Sie dort auf Dauer Geld, da die Inflation zu einem Wertverlust führt. Zudem verlangen manche Banken eine Kontoführungsgebühr. Immerhin ist Ihr Geld hier relativ flexibel verfügbar. 

Aber was hat ein Girokonto mit Nachhaltigkeit zu tun? Genau so viel, wie Sie dort liegen haben! Denn das „Einlagengeld“, was eine Bank auf der einen Seite von den Sparern entgegennimmt, wird auf der anderen Seite an Krediten wieder vergeben. Bei einem normalen Girokonto wissen Sie nicht, wofür Ihr Geld tatsächlich verwendet wird und was es bewirkt. 

Ihre Beurteilung, ob und wie das Geld nachhaltig angelegt wird, kann also nur über die Auswahl der Bank erfolgen. Schauen Sie nach, welche Nachhaltigkeitskriterien eine Bank für die Kreditvergabe anwendet, und machen Sie das mit zu einem Entscheidungskriterium für Ihre Kontowahl.

Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Die Auswahl des Anbieters ist das wichtigste Kriterium, denn dadurch erhalten Sie Transparenz über die Finanzierung von nachhaltigen Unternehmen. Auf die genaue Auswahl von Projekten haben Sie über dieses Instrument keinen Einfluss. Fragen Sie Ihren Bankberater, wohin Ihr Sparguthaben fließt!

Crowdinvesting

Es gibt viele Möglichkeiten, direkt in nachhaltige Projekte oder Unternehmen zu investieren. Viele davon liegen außerhalb des von der BaFin strenger regulierten Anlagemarkts. Das ist oft unkomplizierter für die Unternehmen. Für den Anleger besteht aber auch ein höheres Risiko, weil der Markt weniger reguliert ist. 

Eine Anlageform mit wachsender Beliebtheit ist das Crowdinvesting. Beim Crowdinvesting investieren viele Menschen (die „Crowd“ – also die Menge) in eine Idee, an die sie glauben. Das können ganz verschiedene Projekte sein, wie Lastenfahrrad-Verleiher, Food-Startups oder eine Schokoladenfabrik in einem Entwicklungsland. Verschiedene Websites bieten Gründer*innen eine Plattform, um finanzielle Unterstützung zu gewinnen. Andere Anbieter legen in nachhaltige Immobilien und Energiewende an. Im Gegensatz zum Crowdfunding geht es beim Crowdinvesting nicht nur um einen ideellen Gegenwert oder ein Geschenk, sondern um ein Investment als Miteigentümer oder Kreditgeber. Oft wird der Vertrag in Form eines Nachrangdarlehens mit Zinserwartung gestaltet. Das Totalverlustrisiko ist wie bei Startups üblich sehr hoch, die Zinsen eher gering, sodass Sie diese Investments eher als sehr kleinen Teil Ihres Portfolios sehen sollten.

Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Mit direkter Beteiligung oder Krediten an Unternehmen und Projekte können Sie konkret etwas bewegen. Das Ausfallrisiko ist jedoch relativ hoch, so dass Sie Ihr Geld eventuell nicht ein zweites Mal an andere nachhaltige Projekte vergeben können. 

Aktien

Sie kennen ein börsennotiertes Unternehmen und glauben, dass es nachhaltig wirtschaftet und erfolgreich sein wird? Dann können Sie Anteile daran in Form von Aktien erwerben. Mit der Ausgabe von Aktien erhalten Firmen Eigenkapital, das sie beispielsweise für die Erforschung nachhaltiger Innovationen nutzen können. 

Der Vorteil ist, dass Sie mit Einzelaktien ihr Portfolio selber nach Ihren nachhaltigkeitsrelevanten Werten zusammenstellen können. Aktien bieten im Vergleich zu anderen Anlageformen hohe Renditechancen und vergleichsweise geringe Kosten (weil z.B. keine Verwaltungsgebühr fällig wird wie z.B. bei einem Investmentfonds). Gleichzeitig müssen Sie mit einer höheren Volatilität und damit höherem Risiko rechnen. Der Zeitaufwand für die Auswahl Ihrer Aktien ist nicht zu unterschätzen. Auch müssen Sie regelmäßig prüfen, ob Sie das Wertpapier eines Unternehmens noch halten oder lieber veräußern und ersetzen sollten. 

Grundsätzlich gilt, dass man Kursschwankungen an der Börse aushalten muss  Für eine gute Risikostreuung (Diversifikation) geht man davon aus, dass aktive Investoren etwa 10-30 Einzelwerte im Portfolio brauchen. Wenn Sie bei der Bewertung dafür aber nicht nur finanzielle, sondern auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen, fällt der Aufwand entsprechend hoch aus.  

Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Mit dem Kauf einer Aktie fließt in der Regel kein Geld unmittelbar in die Realwirtschaft, sondern zum Vorbesitzer des Anteilsscheins. Mittelbar wächst durch die Kurssteigerung der Wert des Unternehmens, was es ihm zum Beispiel erleichtert, Kredite von Banken zu erhalten. 

Investmentfonds und Themenfonds

Ein Fonds legt Ihr Geld in verschiedene Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen oder in Sachwerte wie Immobilien an. Sie lassen sich kategorisieren nach Produktarten, Themen und Anlageverwaltung.

Bei der Beschäftigung mit nachhaltigen Fonds begegnen Ihnen verschiedene Produktarten:

Aktienfonds erwerben Einzelaktien von verschiedenen Unternehmen mit Nachhaltigkeitsaspekten in der Ausrichtung. 

Grüne Bonds (Rentenfonds) lassen Ihr Geld in Anleihen fließen (Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen), die dabei z.B. bestimmte Branchen und Praktiken ausschließen. 

Immobilienfonds finanzieren Gebäude wie Wohnanlagen, öffentliche Einrichtungen oder Fabriken, wobei bestimmte ESG-Kriterien angelegt werden können. 

Mischfonds investieren in verschiedene Kategorien, wobei die Zusammensetzung unterschiedlich gewichtet sein kann und bestimmten ESG-Kriterien folgen kann.

Dachfonds investieren in mehrere Investmentfonds gleichzeitig, wodurch das Risiko nach breiter gestreut wird als bei einem Einzelfonds, aber auch der Überblick darüber, in welche Firmen und Projekte Ihr Geld konkret fließt, noch schwieriger wird.

In Sachen Nachhaltigkeit spielt meist weniger die Produktart eine Rolle, als die Themen und Branchen in denen der Fonds Geld anlegt.

Nachhaltige Themenfonds investieren in bestimmte Sektoren. Entsprechend werden sie auch als Ökofonds, Umweltfonds oder Sozialfonds geführt.

Gängige Themen, für die Sie sich entscheiden können, sind zum Beispiel:

Klimaschutzfonds. Sie konzentrieren sich auf solche Unternehmen, die z.B. besonders energieeffizient wirtschaften und ihren CO2-Ausstoß aktiv reduzieren. 

Regenerative Energien. Dazu gehören u.a. Solarfonds und Windfonds.

Nachwachsende Rohstoffe. Hier finden sich zum Beispiel Fonds zu Holzwirtschaft.

Mikrofinanzfonds. Sie helfen Menschen in ärmeren Ländern durch Kredite zum eigenen Business.

Weitere Themenfonds fokussieren sich etwa auf nachhaltigere Immobilien, Energieeffizienz, Bildung, Kultur oder Sozialprojekte. 

Für die Nachhaltigkeitsbewertung relevant ist außerdem, wie die Verwaltung der Anlagen funktioniert. Man unterscheidet Fonds danach, ob ein Index (wie z.B. der DAX) nachgebildet wird (passive Fonds / ETFs) oder in ausgewählte Aktien investiert wird (aktiv gemanagte Fonds).

Passive Fonds

Passive Fonds bilden die Wertentwicklung von einem Index nach, weswegen man sie auch börsengehandelte nachhaltige Indexfonds oder nachhaltige ETFs (Exchange Traded Funds) nennt. Sie gelten als günstiger, weil die Kosten und Gebühren für ein aktives Management entfallen. Die Rendite der ETFs folgt also passiv der allgemeinen Marktentwicklung. Künftige wahrscheinliche Marktentwicklungen, die ein aktives Management versuchen würde zu antizipieren, bilden sich darin kaum ab. Inzwischen mehr Indizes als Aktien4.  Fünf große Anbieter dominieren vier Fünftel des globalen ETF-Markts5.

Zwei beispielhafte Aktienindizes für Nachhaltigkeit sind der MSCI World Socially Responsible Index (SRI) und der Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Ersterer fasst etwa 400 Unternehmen zusammen, die in Industrieländern sitzen und einen oberen Platz im ESG-Ranking haben. Dieses ergibt sich u.a. aus dem Ausschluss kritischer Branchen wie Alkohol und Pornographie, den Analysen von Geschäfts- und Medienberichten sowie einer hohen Börsengewichtung. In beiden Indizes sind überwiegend amerikanische Unternehmen gelistet. Der DJSI vereint 600 Unternehmen, auch aus Schwellenländern, die zuvor einen 100-seitigen Fragebogen mit Nachhaltigkeitskriterien ausfüllen mussten. Daraus errechnen Analysten einen Nachhaltigkeitsscore, wobei ebenfalls Ausschlusskriterien angewendet werden und am Ende nur die 20% börsenstärksten aus jeder Branche in den Index kommen.  Es kann vorkommen, dass durch diesen Best-in-Class-Ansatz Unternehmen im ETF vertreten sind, die Anleger für sich persönlich als Einzelaktie nicht auswählen würden.

Aktive Fonds

Bei aktiv gemanagten nachhaltigen Fonds beobachten Produktmanager die ökologische und/oder soziale Leistung der Unternehmen und Staaten. Bei negativer Entwicklung können sie entsprechende Aktien oder Anleihen verkaufen und in nachhaltigere Firmen umschichten. Sie berücksichtigen dabei ESG-Kriterien und beziehen Nachhaltigkeitsexpertise in die Auswahl der Aktien ein. Oft haben die Teams und Fondsmanager ausgewiesene Erfahrungen im Bereich nachhaltiger Geldanlagen. Die Kriterien, die die Fonds in Sachen Nachhaltigkeit anlegen, können sehr unterschiedlich sein.

Die Fondsmanager sind an die Statuten gebunden, in denen z.B. mit Quoten festgelegt ist, in welche Anlageklassen und Themen der Fonds investiert. Zudem haben die Verwalter die Möglichkeit zu reagieren, wenn die ökonomische Leistung von Unternehmen stark abzunehmen droht. Für diese Auswahl- und Überwachungsleistung wird eine Fondsverwaltungsgebühr erhoben.

Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Im Vergleich zu Aktien bieten Ihnen Fonds keine Mitbestimmung in den Unternehmen. Dafür brauchen Sie für die Investitionsentscheidung bei Fonds nur einmal die Strategie des Fonds mit Ihren Werten abgleichen – und nicht für jede einzelne Aktie. Wie bei Aktien kann Ihre Investition den Kurswert in der Finanzwirtschaft beeinflussen, einen direkten Einfluss auf die Realwirtschaft haben Fonds jedoch meist nicht.

Impact Fonds

Investmentformen wie Impact Fonds vereinen zwei Ziele: eine finanzielle Rendite und einen positiven, messbaren Nachhaltigkeitsbeitrag. Diese Wirkung bezieht sich z.B. auf die Erreichung ökologischer oder sozialer Ziele. Damit unterscheiden sie sich von nicht-nachhaltigen Fonds und ESG-Fonds:

  • Nicht nachhaltige Fonds: haben auf Produktebene keine definierten ESG-Ziele oder -Strategien;
  • ESG-Strategiefonds: beziehen ESG-Aspekte (Environmental, Social Governance) z.B. durch Ausschlusskriterien in die Anlagestrategie ein;
  • Impact Fonds: die Anlagestrategie wird um konkrete ESG-Ziele ergänzt, deren Erreichung wird gemessen und über die erzielte Wirkung wird berichtet.

Dabei können Impact Fonds sowohl ökologische Themen als auch soziale Kriterien in ihr Zielbild einflechten. 

Anbieter sozial orientierter Impact Fonds konzentrieren sich z.B. auf den Aufbau von Sozialunternehmertum (Social Business Fonds oder Social Entrepreneurship Fonds), die Vergabe von Kleinstkrediten an ärmere Menschen (Mikrofinanz Fonds) oder die Verbesserung der Wohnsituation sowie der wirtschaftlichen und sozialen Infrastrukturen in finanzschwachen Gemeinden (Community Investing).

Bei Impact Fonds mit Umweltfokus kann Ihre Investition direkt in Sachwerte fließen. Das Geld sorgt so zum Beispiel für den Aufbau und Erhalt von Wäldern oder den Ausbau von Erneuerbaren Energien. Durch die mit diesen Werten verbundene CO2-Vermeidung leistet die Anlage einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz. Besonders der Erwerb und Betrieb von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Sonne, Wind, Wasserund Biomasse ist attraktiv: als unmittelbare Investition in Sachwerte mit ökologischem Impact, ohne viele Zwischenstationen.

Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Mit Impact Fonds kann Ihr Geld direkt in Projekte der Realwirtschaft fließen, die auf eine konkrete nachhaltige Wirkung abzielen. Die Fondsmanager messen, wie diese Ziele erreicht werden und berichtet transparent darüber.

Anlagemöglichkeiten für Fonds, je nach Nachhaltigkeitsziel und Nähe zur Realwirtschaft

Die Grafik zeigt das Spektrum zwischen Realität und Ziel von nachhaltigen Anlagen und ordnet die Anlageformen ETFs mit Exklusionskriterien, ESG-Strategiefonds und Impact Fonds ein

Chancen und Risiken eines nachhaltigen Investments

Wenn Sie sich für nachhaltige Investments entscheiden, können Sie mehrfach profitieren. Sie bauen mit Ihrem Investment Ihr Vermögen auf und unterstützen dabei gleichzeitig den Schutz der Lebensgrundlagen und Rechte für heute und in Zukunft lebende Generationen.

Die Logik ist einfach: Ihr Geld arbeitet. Aber für wen und für was, das können Sie entscheiden. Wer in CO2-sparende Technologien investiert, trägt zum Klimaschutz bei. Wer in Mikrofinanzen Geld anlegt, trägt zur Bekämpfung der Armut bei. Wer Mischwaldaufforstung unterstützt, fördert die Biodiversität und wirkt gegen das Artensterben. 
Verringert nachhaltiges Investieren die Renditechancen? Die Vermutung liegt nahe, weil bestimmte Maßnahmen z.B. für Klimaschutz zunächst Kosten verursachen. Die Preise billiger Produkte spiegeln nicht die wahren Kosten – diese sind auf die Gesellschaft, Menschen in anderen Ländern und spätere Generationen abgewälzt, also externalisiert. Das benachteiligt Firmen, die freiwillig z.B. Menschenrechte achten und Ressourcen schonen. 

Performance nachhaltiger Geldanlagen spielt auf Augenhöhe mit klassischen Formen

Und doch machen Finanzanalysten immer wieder eine spannende Beobachtung: Unternehmen, die mit Nachhaltigkeitsanspruch wirtschaften, performen insgesamt überdurchschnittlich oder zumindest genauso gut wie klassische Anlageprodukte6. Das liegt daran, dass Unternehmen mit Blick für Nachhaltigkeit eben nicht nur die Spitze des Eisberges sehen. Ihre Renditechancen steigen, weil sie sich mit den Risiken in ihrer Lieferkette und ihrem Markt eher und gründlicher auseinandersetzen. Dadurch erhöht sich ihre Resilienz – die Fähigkeit, mit Veränderungen flexibel umzugehen und auch Krisen zu überstehen oder sich von ihnen besser zu erholen. Zudem steigt die Nachfrage für Umweltstandards, saubere Technologien und faire Wirtschaftsweise kontinuierlich, was einen Wettbewerbsvorteil für nachhaltige Unternehmen bringt.  
Daher ist es kein Wunder, dass nachhaltige Investments nicht zu bremsen sind: Sie freuen sich in Europa über zweistellige Wachstumsraten. Der ethische Markt wächst schneller als der gesamte europäische Anlagemarkt.1

Nachhaltige Investmentfonds in Deutschland (in Milliarden Euro)

Risiken gibt es auch bei sozialen und ökologischen Geldanlagen

Wie bei allen Anlageformen bringen auch nachhaltige Investments Risiken mit sich. Vor allem sollten Sie auf Diversifikation achten: Wer nur in die Aktie eines nachhaltigen Lebensmittelherstellers investiert, verliert all sein Geld, wenn dieser Insolvenz anmeldet. Wenn Sie nur in Holzfonds anlegen, könnten Dürren oder Waldbrände ihre Rendite schmerzlich schmälern. Streuen Sie daher das Risiko auf unterschiedliche Themen und Produkte, um sich unabhängiger vom Erfolg einzelner Assets zu machen.

Zudem ist es sinnvoll, sich mit Risikoklassen zu beschäftigen. Zwischen den risikoarmen und risikofreudigen Anlagemöglichkeiten gibt es eine große Spannbreite im Chancen-Risiko-Verhältnis. An dieser Stelle entscheidet der persönliche „Risikoappetit“. Besonders in Nischen und im grauen Kapitalmarkt, der weniger reguliert ist, sollten Sie ganz genau hinschauen. Überlegen Sie sich genau, welchen Verlust Sie verschmerzen könnten.

Woran Sie eine nachhaltige Geldanlage erkennen

Anleger würden gerne nachhaltig investieren - aber wie das richtige Produkt finden?

80 Prozent der Anleger investierten noch nicht in ökologisch nachhaltige Kapitalanlagen – das zeigt eine repräsentative Umfrage zu nachhaltigen Investments der Commerz Real. Und obwohl zwei Drittel aller Teilnehmenden gern in Produkte investieren würden, die einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten, kennen 80 Prozent solche Produkte gar nicht. Woran aber würden sie sie erkennen?

Ein erster Indikator für eine grüne Möglichkeit zu investieren kann der Name sein. Fonds tragen oft „Sustainability“ oder „Sustainable“ (englisch für „nachhaltig“), oft kommt auch „Responsible“ (verantwortungsvoll) vor. Daneben können Begriffe wie Öko, Ethisch, Climate, Fair oder ESG auf ein nachhaltiges Angebot hinweisen.

Jedoch: Eine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen besteht nicht. Ganze Ratingagenturen und Forschungsinstitute beschäftigen sich mit Kriterien, an denen ökologisches, soziales und verantwortliches Wirtschaften zu messen wäre. Woran erkennen Sie also ein zu Ihnen passendes Investment?

Info: Checkliste für nachhaltiges Investieren

Mit dieser kurzen Checkliste können Sie Ihre Investments in nachhaltige Finanzprodukte prüfen.

Leitfragen für nachhaltige Geldanlagen

  1. Bezug zur Realwirtschaft: Was hat das Investment mit der „realen“ Welt zu tun? 
  2. Weg des Geldes: Wohin fließt das Kapital?
  3. Zielsetzung für Nachhaltigkeit: Welche Wirkung hat die Investition?
  4. Transparenz über Zielerreichung: Wie wird gemessen, worüber berichtet?
     

Ausschlusskriterien: Was wollen Sie mit Ihrem Geld nicht unterstützen? z.B.:

Atomkraft Kinderarbeit    
Fossile Energie (Öl, Gas, Kohle)     Menschenrechtsverletzungen
Intensive Landwirtschaft Todesstrafe
Gentechnik (Landwirtschaft) Gentechnik (Medizin)
Agrarchemikalien Korruption / Bestechung
Intensiv-Fischerei Glücksspiel
Massentierhaltung Alkohol / Drogen
Tierversuche Waffen / Rüstung

Manche Fonds zeigen im Namen an, welche Branchen sie ausschließen, so schließt z.B. ein Anlageprodukt mit „ex weapons“ gezielt Waffen aus. Tierversuche oder Massentierhaltung werden hingegen nicht ausgeschlossen.

Positivkriterien: Was wollen Sie mit Ihrem Geld unterstützen?

  • z.B. CO2-freie Energien, nachhaltigen Waldaufbau oder Bio-Landwirtschaft
  • z.B. einen Beitrag zur Energiewende, Abschaffung der Armut, Chancengerechtigkeit

Impact Investment: Ist der nachhaltige Beitrag messbar und prüfbar?

  • Sind die Ziele der Anlage klar benannt und messbar?
  • Basiert das Nachhaltigkeitsverständnis des Produkts auf einer anerkannten Definition, etwa der EU-Taxonomie?
  • Trägt das Investment tatsächlich zur Kapitalerhöhung für die Erreichung eines bestimmten Ziels bei?

Nachhaltigkeitssiegel: Welche Gütezeichen gibt es für diese Kategorie? z.B.

  • FNG-Siegel: Das Gütezeichen des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) tragen bestimmte nachhaltige Investmentfonds. Im Zentrum stehen der Ausschluss von Kernkraft, Kohle (Bergbau und Verstromung), Fracking, Ölsande, Waffen und Rüstungsindustrie. Daneben bestehen Transparenzkriterien zur Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Ein unabhängiges Komitee entwickelt die Kriterien seit 2015 ständig weiter, Partner ist die Forschungsgruppe für nachhaltige Finanzen an der Universität Hamburg. 
  • ECOreporter-Siegel: Dieses Label wird nur an nachhaltige Geldanlagen und Banken vergeben, deren Kerngeschäft auch nachhaltig ist. Zu den Negativkriterien gehören Atomenergie (Bau und Betrieb), Waffen, Rüstungsindustrie, ausbeuterische Kinderarbeit nach ILO-Standard, totalitäre Regime und praktizierte Todesstrafe, schwere Menschenrechtsverletzungen, Gentechnik, Suchtmittel, Glücksspiel und Tierversuche. Mögliche Investments durchlaufen einen 3-stufigen Prüfungsprozess.
  • Österreichisches Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte: Zu seinen Exklusionskriterien gehören u.a. fossile Energien und Atomkraft, Gentechnik oder Rüstungsunternehmen. Beim Auswahlprozess sind ESG-Kriterien ausschlaggebend. Die Abstufungen in der Bewertung reichen von 0 (nicht erfüllt) bis 3 (überdurchschnittlich erfüllt).

Weitere Gütesiegel für nachhaltige Geldanlagen hat ÖKOTEST untersucht7.  Die Mindeststandards dieser all dieser Kriterien und Labels können zwar eine Orientierung bieten, spiegeln aber nicht unbedingt Ihre eigenen Werte. Zudem stehen sie vor allem für Exklusionskriterien, die bestimmte Praktiken und Branchen ausschließen. Dadurch fehlt aber weitgehend die Betrachtung, inwiefern ein Investment einen positiven Impact bewirkt und ob dieser gemessen und transparent kommuniziert wird.

Vertrauenscheck:

  • Was sagen unabhängige Instanzen? Ratingagenturen untersuchen genauer, was Unternehmen, Länder oder Fonds in Sachen Nachhaltigkeit versprechen und dann auch halten. Sie analysieren dafür Nachhaltigkeitsberichte (CSR-Reports), Geschäftsberichte, Website-Inhalte, Medienartikel, aber auch Stimmen kritischer Organisationen. Die Ergebnisse der Ratingagenturen sind teils sehr unterschiedlich, je nachdem, welche ESG Faktoren sie stärker gewichten.
  • Wer ist der Emittent? Wie lange ist er oder der Fonds schon am Markt? Wie viel Handelsvolumen steckt im Fonds? Erhalten Sie das Produkt am Primär- oder Sekundärmarkt? Sind die Informationen auf Deutsch verfügbar? Solche Fragen helfen Ihnen, die Vertrauenswürdigkeit nachhaltiger Geldanlagen einzuschätzen.

Nachhaltig investieren: So investieren Sie grün

Das perfekte nachhaltige Portfolio gibt es wohl nicht: Ein gutes „Rezept“ mit dem für Sie besten Mix hängt von Ihrer Vermögenssituation, Ihrer Lebensphase, Ihrer Risikobereitschaft und Ihren Wert ab. Wer mit seiner Anlagestrategie neu startet oder seine bestehenden Anlagen um nachhaltige Alternativen bereichern möchte, kann dennoch einige Schritte befolgen. Wie könnte ein Prozess für nachhaltiges Investieren aussehen?

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die nachhaltige Geldanlage

1. Anlageziele festlegen

Beachten Sie zunächst die Grundlagen der Geldanlage, indem Sie Fragen wie die folgenden kritisch stellen und für sich beantworten:

Wie viel Geld habe ich, wie viel verdiene ich, und wie viel will ich einmalig oder regelmäßig anlegen?

  • Wie stehe ich zu Risiko? Welchen Anteil könnte ich tolerieren zu verlieren? Wie ist die Risikoverteilung meiner bisherigen Anlagen?
  • Was ist mein Zeithorizont? In welcher Lebensphase befinde ich mich? Wie lange kann ich auf welche Teilsumme meines Anlagevolumens verzichten?
  • Wie viel Zeit oder Kosten (für Management, Verwaltung und Beratung) bin ich bereit zu investieren? Werde ich mich regelmäßig um die Anlagen kümmern oder nur sehr selten die Zeit finden, mich damit zu beschäftigen?
  • Welche Werte sind mir allgemein wichtig in Bezug auf mein Geld? Gibt es eine Gewichtung – z.B. in Bezug auf Sicherheit, Rendite, Umweltschutz und soziale Aspekte? Welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen?

Möchte ich bestimmte Assets aus dem Portfolio ausschließen? Z.B. Anteile an bestimmten Firmen oder Staatsanleihen von bestimmten Ländern, deren Nachhaltigkeitsaktivitäten mir nicht ausreichend erscheinen.

3. Themen (Positivkriterien) festlegen

Gibt es bestimmte Themen, die Sie mit Ihrer Anlage unterstützen wollen? Zum Beispiel Infrastrukturmaßnahmen für Erneuerbare Energien.

4. Passende Anlagen recherchieren

Wie immer gilt: Diversifikation reduziert das Risiko, das heißt, sie sollten nicht Ihr gesamtes Vermögen in eine Assetklasse (z.B. nur Aktien oder nur Fonds) oder einen Themenbereich (z.B. nur Ökolandbau) investieren. Wenn Sie z.B. bereits eine Direktbeteiligung an einem Wald haben, könnte ein nachhaltiger defensiver Fonds mit einem höheren Anteil Rentenfonds (Staatsanleihen in Länder, die ESG-Kriterien entsprechen) Ihre Risikostreuung verbessern.

5. Depots und/oder Konten anlegen

Legen Sie ein Wertpapierdepot an. Das geht oft bei der Bank, wo Sie bereits ein Girokonto haben, doch Vergleichen lohnt sich. Bei der Auswahl können Sie auf die nachhaltige Ausrichtung des Finanzinstituts einerseits und möglichst geringe Depotgebühren andererseits achten. Auch die Ausgabeaufschläge auf Aktientitel oder Fonds unterscheiden sich.

6. Portfolio und Sparplan zusammenstellen

Erwägen Sie, ob Sie eine Einmalanlage tätigen wollen oder mit einer regelmäßigen Summe sparen wollen. Der Zeitpunkt für einmaliges Investieren kann entscheidend für die Rendite sein. Monatliches Anlegen im Rahmen eines Sparplans verteilt dagegen Chancen und Risiken und Sie können jederzeit starten. Bei beiden Varianten ist es sinnvoll, einen langen Anlagehorizont von möglichst mindestens 10 Jahren ins Auge zu fassen. Zudem gilt: Sie müssen nicht ihr gesamtes Vermögen auf einmal umschichten. Besser klein anfangen, als überhaupt nicht – denn mit jedem Cent in nachhaltigen Investments finanzieren Sie eine Zukunft, die Ihren Werten entspricht.

7. Transparenz einfordern

Als Investor*in können Sie mit Ihrem Geld und Ihrer Stimme Einfluss nehmen. Lesen Sie Berichte über die Wirkung Ihres Investments und fordern Sie konkrete Berichterstattung zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen ein. Als Aktieneigentümer können Sie ebenfalls Fragen stellen und – zum Beispiel im Verbund mit anderen kritischen Aktionären – auf nachhaltige Veränderungen hinwirken.

Die Kosten einer nachhaltigen Investition

Ob klassische oder ethische Geldanlage: Jede Assetklasse bringt Kosten und Gebühren mit sich, unabhängig von Nachhaltigkeitsaspekten⁸.

Auf Gewinne wie Zinsen, Dividenden, Ausschüttungen und Kursgewinnen führen Sie grundsätzlich an den Staat die Abgeltungssteuer (früher: Kapitalertragssteuer) ab. Der Sparerpauschbetrag oder auch Freibetrag liegt bei 801 Euro für Einzelpersonen und bei 1.602 Euro für Ehepaare (Stand 2021). Damit Ihr Kreditinstitut die Abführung der Steuer ans Finanzamt nicht automatisch durchführt, sollten Sie einen Freistellungsauftrag stellen. Einkünfte über dem Freibetrag werden mit 25% besteuert.

Bei Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten fallen z.B. Kontoführungsgebühren sowie teils auch Kosten pro Buchung an. Konten bei nachhaltigen Banken sind nicht kostenlos, weil sie ihren Kunden über die Kontogebühr die Kosten für die Bankdienstleistung transparent machen wollen, die etwa durch Niedrigzinspolitik, Digitalisierung und zunehmende Regulierung entstehen.

Beim Erwerb von Aktien zahlen Sie ggf. Gebühren für das Depot (z.B. 1,5% vom Kurswert)   sowie einen Ausgabeaufschlag oder eine Ordergebühr an die Bank (0,25%-1%). Hier unterscheiden sich nachhaltige und klassische Anbieter in der Regel nicht.

Bei Fonds bewegen sich die Depotgebühren zwischen 0,0 (kostenlos) und 0,1% des Fondsvermögens. Bestimmte Gebühren wie Ausgabeaufschläge und Rücknahmeabschläge sollten Sie bei Fonds nur in Kauf nehmen, wenn sich die Investition dennoch über einen langfristigen Anlagehorizont rentiert. Sie variieren je nach Art, z.B. 3% (Rentenfonds) oder 6% (Aktienfonds) der Investitionssumme. 

Bei passiven ETF Fonds werden die Kosten in der sogenannten TER zusammengefasst. Diese Total Expense Ratio fasst alle Verwaltungskosten eines ETF-Anbieters zusammen, also Lizenzgebühren für den Index, Verwaltungsgebühren und Marketingbudget. Sie liegen meist zwischen 0,1 und 1 Prozent.

Bei aktiv gemanagten Fonds kommt ein einmaliger Ausgabeaufschlag (oft 5%) und eine jährliche Verwaltungsgebühr (z.B. 1,5-2,5%) hinzu, mit der das Fondsmanagement und der Vertrieb gezahlt werden (sog. Bestandsprovision). Außerdem können performanceabhängige Gebühren in Rechnung gestellt werden, um eine besonders gute Leistung des Managements zu belohnen. Für nachhaltige Fonds setzen die Manager meist auf eine handverlesene Auswahl. Bei Impact Investments muss zudem der Aufwand für die Messung und das Reporting zu Nachhaltigkeit eingepreist werden. Dadurch entstehen zum Teil höhere Kosten als bei klassischen Anbietern, was aber genauso oft durch eine bessere Performance ausgeglichen oder sogar belohnt wird.

Den üblichen Geldanlage-Kosten stehen bei nachhaltigen Investments zusätzliche Chancen gegenüber: Studien zeigen, dass Unternehmen mit sehr gutem Nachhaltigkeitsrating eine höhere Gewinnmarge haben, die über 12 Prozentpunkte betragen kann9.  Außerdem gibt es bestimmte Anlage-Möglichkeiten, deren Projekte staatlich gefördert werden, z.B. die saubere Stromerzeugung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es verpflichtet Netzbetreiber, Ökostrom abzunehmen und fördert die Erzeuger finanziell. Davon können dann auch die Anleger profitieren.

Für manche Investor*innen geht es um Kapitalerhalt und nicht um Rendite. Darauf geht die Strategie mancher Impact Investments ein: Ihre Erträge werden zum Teil oder ganz reinvestiert, um den positiven Impact – zum Beispiel für ärmere Bevölkerungsgruppen – zu maximieren.

Fazit

Grün hat viele Farben! Das Spektrum im Regenbogen nachhaltiger Geldanlagen reicht von Ausschlusskriterien über Positivkriterien und Best-in-Class-Ansatz bis zum Impact Investment.

Dabei stehen Ihnen heute viele Anlageformen und Themen offen. Ob für Wälder, Solarparks oder Sozialprojekte: Ihre Investitionsmöglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit wachsen mit dem Markt. 

Das Beste dabei: Rendite und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus, sondern können sich sogar gegenseitig verstärken. Wichtig ist – wie für jedes Portfolio – eine breite Streuung, damit einzelne Schwankungen leicht verkraftbar bleiben.

Sie wollen Ihren Investitionsprozess ganzheitlich angehen? Dann stellen Sie Fragen: Wohin fließt mein Kapital wirklich? Welche Zielsetzung ist damit verbunden? Was bewirkt es? Wie erhalte ich Informationen darüber?

Wenn Sie Ihre nachhaltigen Anlagen nach diesem Leitfaden gründlich auswählen und langfristig investieren, können Sie mit Ihrem Geld einiges bewegen. Für Mensch, Natur und Ihr Vermögen. Viel Erfolg!    

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1 Zum Beispiel in der Metastudie: Gunnar, F., Busch, T. ; Bassen, A. (2015): »ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies«. In: Journal of Sustainable Finance & Investment 5.4, S. 210–233.
2 „Sylvicultura oeconomica oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ des Forstwirts von Carlowitz (1713)
2a Quelle: https://www.lbbw.de/bilder/perspektiven/pdf-dokumente/lb_studie_nachhaltigkeit_wandel_7ax8ein8q_m.pdf
3 Quelle der Zahlen: https://www.handelsblatt.com/adv/financetoday/nachhaltig-investieren-mehr-als-nur-gruene-geldanlage/25431036.html
4 www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/etf-guenstige-anlage-oder-systemrisiko-mit-drei-buchstaben/21124402.html
5 https://www.capital.de/geld-versicherungen/risiken-etfs
6 Z.B. https://greenmoney.com/why-invest-internationally-in-companies-with-strong-esg-practices/ 
7 https://www.oekotest.de/geld-versicherungen/19-Guetesiegel-fuer-gruene-Geldanlagen-im-Test_110894_1.html
8 Die hier beispielhaft genannten Zahlen können abweichen und hängen vom Anbieter ab.
9 https://www.bcg.com/de-de/publications/2017/total-societal-impact-new-lens-strategy