Nachhaltige Geldanlagen: Wie Sie ethisch-ökologisch investieren und Ihren Beitrag leisten können

Was nachhaltige Geldanlagen sind, wie sie funktionieren und auf welche Weise sie Umweltschutz, Klimagerechtigkeit und nachhaltiges Unternehmertum fördern können.

klimaVest: 2 Kinder haben Schilder gebastelt wo drauf steht "Save the Earth" und "Clean the Ocean" die sie stolz in die Kamera halten

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, sagte der Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein. Doch wie lassen sich dann große Menschheitsherausforderungen wie Armut, Erderwärmung oder Ressourcenverknappung lösen?

In den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr Anleger für eine andere Art des Investierens, die einen guten Umgang mit Mensch und Natur fördern soll. Dabei betrachtet die Anlagestrategie neben der ökonomischen Rendite auch ökologische und soziale Faktoren. Eine nachhaltige Geldanlage kann zum Beispiel Unternehmen aus der Kohlekraft-Branche ausschließen, weil diese Form der Energiegewinnung viele Treibhausgase ausstößt und so den Klimawandel anheizt. Oder ein sozial orientierter Fonds investiert vorrangig in Bildungsprojekte, die sozial benachteiligte Kinder fördern und so zur Chancengerechtigkeit beitragen.

Warum ist diese Entwicklung nicht nur ein Trend, sondern die Zukunft des Geldanlegens? Wie genau unterscheiden sich sozial-ökologische Investments von klassischen? Und welche Möglichkeiten ergeben sich für Sparer?

Dieser Artikel beantwortet die häufigsten Fragen rund um nachhaltige Geldanlagen.

Inhalt: Das erfahren Sie in diesem Beitrag

  • Warum sind Umweltschutz und Fairness gerade jetzt so wichtig?
  • Was genau ist Nachhaltigkeit?
  • Warum investieren immer mehr Privatanleger und Großinvestoren nachhaltig? 
  • Wie fördern nachhaltige Geldanlagen Klimaschutz und Gerechtigkeit?
  • Woran erkennt man nachhaltige Anlageformen – im Unterschied zu „Greenwashing“?
  • Welche Möglichkeiten haben Anleger?
  • Wo können Sie mehr erfahren?

Jeder Euro, der nicht unterm Kissen liegt, arbeitet. Ob auf einem Bankkonto, in einer Aktie, einer Anleihe oder einem Fonds: Geld finanziert bestimmte Entwicklungen. Deshalb ist es spannend, einmal genauer hinzusehen, was der eigene Spargroschen bewirken kann.

Umweltschutz und Ethik: Warum sie jetzt so wichtig sind

Das Geld privater Anleger spiel eine zentrale Rolle bei der zukünftigen nachhaltigen Ausrichtung der Wirtschaft

Es ist nicht immer leicht, optimistisch zu denken: Tägliche Nachrichten über ökologische Katastrophen und soziale Missstände machen allzu deutlich, dass unser Umgang mit der Welt und anderen Menschen ungesund ist. Die Situation spiegelt oft das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Wer daran etwas ändern wöllte, hätte viel zu tun:

  • Die Klimaerhitzung verstärkt sich ungebremst. Bereits bei einer globalen Erwärmung um 1,5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit treten erhebliche Klimafolgen ein. Das könnte schon 2030 sein, wenn wir so weitermachen wie bisher. 19 der 20 wärmsten Jahre fallen auf die letzten zwei Jahrzehnte. Allein im Jahr 2019 entstand ein wirtschaftlicher Schaden von 150 Milliarden US-Dollar durch wetterbedinge Katastrophen. Bisher geplante Klimaschutzmaßnahmen genügen nicht, um die Pariser Klimaziele zu erreichen1
  • Der Biodiversitätsverlust ist „dank“ dem Menschen der größte seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Eine Million Arten sind laut Weltbiodiversitätsrat vom Aussterben bedroht. 18 % aller Insekten verlieren mehr als die Hälfte ihres Lebensraums, 99 % aller tropischen Korallenriffe sterben ab. Auch die Wälder schrumpfen: Jährlich gehen 15 Milliarden Bäume verloren. Abholzung und Dürren sorgen für Wüstenbildung und unfruchtbare Böden. Gleichzeitig kämpfen anderswo Menschen mit Überschwemmungen.
  • Krankheiten haben durch die Umweltprobleme ein noch leichteres Spiel. Nicht nur in dunstigen Großstädten Asiens, auch in Europa sterben jährlich tausende Menschen an Luftverschmutzung. Die Zerstörung von Ökosystemen begünstigt Zoonosen, also den Übersprung der Viren von Tieren auf Menschen, wie bei Covid19. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit weltweiter Gesundheitskrisen, die wiederum soziale Ungleichheit verstärken. 
  • Sklaverei und Kinderarbeit sind noch längst nicht überall abgeschafft – ihre Produkte liegen unhinterfragt in unseren Supermärkten und online-Shop-Lagern, zum Beispiel in Form von Schokolade oder Billigkleidung. Arbeiter*innen schuften ohne Rechte viele Stunden für einen Lohn, mit dem sie ihre Familien nicht annähernd ernähren können.
  • Armut, Hunger und Kriege in vielen Regionen der Welt treiben immer noch Nichtschwimmer dazu, sich als waghalsige Seefahrer im Schlauchboot zu versuchen – auf dem Weg in ein hoffentlich besseres Leben.

Und das sind nur einige Beispiele für globale Probleme.

Doch:

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch

sagte der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin. 

Junge Menschen wie Greta Thunberg demonstrieren für Umweltschutz und Gerechtigkeit. Die Politik setzt sich Ziele, um das Klima zu schützen und den Artenverlust aufzuhalten. So mancher versucht einen nachhaltigen Lebensstil in seinem Alltag zu integrieren, z.B. mit weniger Fleisch auf dem Speiseplan oder dem Umstieg aufs Fahrrad. 

Was dagegen die eigenen Finanzmittel bewirken können, war dabei viel zu lange kein Thema. Doch das ändert sich jetzt. Denn mit ihrem Geld spielen Anleger eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen Ausrichtung der Wirtschaft.

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.‘

Maria Ebner-Eschenbach, Novellistin, 1830-1916

Was genau ist Nachhaltigkeit?

Vom Freiberger Berghauptmann zur Rio-Erklärung

Wer bei dem Wort Nachhaltigkeit an Leute denkt, die Bäume umarmen, ist zumindest schon einmal im richtigen Wald: Tatsächlich kommt das Konzept aus der Forstwirtschaft. Allerdings von einem rational wirtschaftenden Beamten. Er hieß Hans Carl von Carlowitz, war Berghauptmann im sächsischen Freiberg und stand 1713 vor einem Problem. Seine wichtigste Ressource, das Holz, wurde knapp. Der Silberbergbau fraß förmlich die Wälder auf. Doch genau dafür wurde ja Nachschub gebraucht, um den Reichtum des Landes zu nähren. Carlowitz kam zu dem Schluss, man müsse eine „continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung" einführen „ohne den Fortbestand des Landes" in Gefahr zu bringen. Was er damit meinte: Höchstens so viele Bäume fällen, wie in der gleichen Zeit nachwachsen können. 

Diesen Gedanken übertrug der Club of Rome 1972 in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ auf andere endliche Ressourcen, wie Öl oder saubere Luft. Die Wissenschaftler zeigten auf, dass ein langfristiges „Weiter so“ die Lebensgrundlage künftiger Generationen gefährden könnte. Im Prinzip bedeutet das Konzept der Nachhaltigkeit also nichts anderes, als verantwortungsvoll mit der Erde, ihren Ressourcen und den Menschen umzugehen: Ökologie, Ökonomie und Soziales sind die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit.

Die Grafik zeigt die 3 Bereiche aus denen Nachhaltigkeit besteht: Ökonomie, Ökologie und Soziales sowie deren Zusammenhänge

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung formulierte 1987 im Brundtland-Bericht ihre Definition einer nachhaltigen Entwicklung: „Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“  Durch die große Konferenz der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro wurde das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung schließlich international bekannt (Agenda 21). Die Rio-Erklärung stellte die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung für die noch kommenden Generationen ins Zentrum.

Das Recht auf Entwicklung muss so verwirklicht werden, dass den Entwicklungs- und Umweltbedürfnissen der heutigen und der kommenden Generationen in gerechter Weise entsprochen wird

Rio-Erklärung, 1992

SDGs: Weltweite Ziele bis 2030

Heute ist das Leitbild in 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung übersetzt, die bis 2030 zu erreichen sind. Mit diesen Sustainable Development Goals (SDGs) von 2015 wollen die Vereinten Nationen u.a. Armut und Hunger abschaffen, hochwertige Bildung garantieren, menschenwürdige Arbeit, Wirtschaftswachstum, bezahlbare und saubere Energien sowie Klimaschutz ausbauen und nachhaltige Produktions- und Konsummuster anregen.

Was die SDGs nicht verrieten, war: Wie lässt sich das alles finanzieren? Hier kommen nachhaltige Geldanlagen ins Spiel, die mit ökologischer oder sozialer und damit letztlich ethischer Zielsetzung investieren. 

Jede*r Einzelne kann mit dem eigenen Geld eine Zukunft nach seinen Vorstellungen mitfinanzieren – etwa mit Geldanlagen für Klimaschutz, Social Responsible Investments (SRI) für Menschenrechte oder auch in Ökosysteme und gesunde Produkte.

Die nachhaltige Geldanlage verbindet dabei ökologische, gesellschaftliche und soziale Aspekte mit den finanziellen Aspekten von Rentabilität, Liquidität und Sicherheit/Risiko. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft – finden dabei idealerweise gleichermaßen Berücksichtigung.

Dabei ist die Rendite nachhaltiger Geldanlagen nicht geringer als die konventioneller, im Gegenteil. Denn Wirtschaftsakteure, die sich mit ihrer Verantwortung und Zukunftsfähigkeit auseinandersetzen, verhalten sich risikobewusster und entwickeln ein stärkeres Gespür für Entwicklungen und Chancen.

Wie nachhaltige Unternehmen erfolgreicher wirtschaften

Ökologisch bzw. sozial arbeitende Unternehmen gewinnen daraus oft auch ökonomische Vorteile. 

Wettbewerbsfähigkeit: Eine verantwortungsvolle Wirtschaftsweise verbessert das Image und die Marktchancen, denn die Nachfrage nach nachhaltigen Angeboten steigt. Immer mehr Kunden machen sich die Folgen ihres Konsums bewusst und suchen nach Alternativen. Sie fragen nicht mehr nur nach der Qualität und dem Preis, sondern auch danach, woher die Rohstoffe kommen, wie die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette aussehen, welche negativen Auswirkungen Produktion und Entsorgung haben oder was mit den Gewinnen geschieht. Dadurch fordern Konsumentinnen und Geldanleger eine verantwortungsvolle Unternehmensführung ein. Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur ein nettes Feature, sondern wird zunehmend Teil einer selbstverständlichen Anspruchshaltung. Wer die Erwartungen von Kunden und Lieferanten ignoriert, trägt ein Reputationsrisiko – und das wollen Investorinnen nicht mehr mittragen.

Mitarbeiterbindung: Viele Menschen engagieren sich im privaten Bereich und tragen ihren Teil zur nachhaltigen Entwicklung bei, indem sie beispielsweise biologisch angebaute Lebensmittel kaufen oder ihren Strom aus einer eigenen Solaranlage auf dem Dach beziehen. Für Angestellte wird es daher attraktiver, auch in einem nachhaltigen Arbeitsumfeld zu wirken, einen Job mit Sinn auszuführen und dort sozial-ökologische Verantwortung zu übernehmen. Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung verbessert das Betriebsklima, weil sich Mitarbeiter*innen stärker mit ihrer Firma identifizieren. Talente fühlen sich davon angezogen, die wiederum für mehr Innovationen sorgen.

Innovationsfähigkeit: Zum einen spart der schonende Umgang mit Ressourcen und Energie ganz praktisch Kosten. Zum anderen beflügeln ambitionierte Visionen – etwa ein Klimaziel bis 2030 – die Forschung und Entwicklung. Daraus entstehen kreative Lösungen für Produkte und Geschäftsmodelle. So hat z.B. ein großer Hersteller von Fleischprodukten sich das Motto gesetzt: „Weil wir Fleisch so lieben, machen wir es jetzt auch aus Pflanzen“. Daraus entstanden Innovationen wie vegetarische Wurst oder vegane Schnitzel, die sich innerhalb kürzester Zeit bei Kund*innen als beliebte Produkte etablierten und nebenbei klimafreundlicher sind als die Angebote tierischer Herkunft.

Die Energiewende macht die Stromversorgung nachhaltiger

Ein Beispiel für nachhaltige Entwicklung ist der Energiemarkt. Hier ist der Anteil an erneuerbaren Energien in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Immer weniger fossile Kraftstoffe – wie Öl und Gas – sollen Strom und Wärme liefern. Auch die Atomkraft schrumpft in Deutschland. Sie stößt zwar weniger Treibhausgase aus, stellt die Gesellschaft aber noch auf Generationen vor große Herausforderungen, weil es kein Endlager für radioaktiven Müll gibt. 

Infobox:

Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien hat sich in Deutschland zwischen 2010 und 2019 mehr als verdoppelt. Sie liegt inzwischen bei über 240 Mrd. kWh.

Stattdessen bietet Energie aus erneuerbaren Quellen eine gute Lösung. Denn: „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“, wie der Journalist Franz Alt es formuliert. Natürlich brauchen Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen auch Ressourcen und Energie für ihre Herstellung und den Auf- und Abbau. Doch zur Erzeugung von Energie nutzen sie die Kraft der Sonne, die uns 15.000 Mal mehr Energie schickt, als wir brauchen.

Immer mehr Menschen legen nachhaltig an

Politik, Wirtschaft, Influencer, Anleger: Nachhaltiges Denken ist en vogue

In vielen Bereichen des Alltags ist der Trend nicht mehr wegzudenken: Sportler werben für fleischfreie Bio-Ernährung, Influencerinnen lassen nur noch Naturkosmetik an ihre Haut, Stars sausen am liebsten in Elektroautos an neugieren Pressefotografen vorbei. Für die einen hip, für die anderen das neue Normal, ist der nachhaltige Lebensstil längt aus seiner Nische herausgewachsen.

Zwar steigt das Nachhaltigkeitsbewusstsein der Deutschen seit Jahrzehnten, doch im Sparverhalten schlug sich das bisher wenig nieder. Oft fehlt einfach das Wissen, dass jeder Einzelne mit seinen finanziellen Entscheidungen einen Unterschied machen kann. In einer Umfrage der Finanzaufsichtsbehörde BaFin gaben ca. 60% der Befragten an, den Begriff „nachhaltige Geldanlagen“ überhaupt nicht zu kennen2.  

Zwei Drittel der Teilnehmer würden sich aber gut fühlen, beim Investieren gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Obwohl sich Nachhaltigkeitsaspekte nicht notwendigerweise negativ auf die Rendite einer Kapitalanlage auswirken, wären laut der Erhebung 38 Prozent der Antwortenden bereit, für nachhaltige Investments eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen. Dies zeigt: der Bedarf und die Dringlichkeit für ökologische und soziale Innovationen werden immer größer, wodurch auch das Interesse an entsprechenden Finanzprodukten steigt.

Ethische Geldanlagen erleben ein starkes Wachstum

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen gehört zu den am stärksten wachsenden Segmenten im Finanzbereich. Anleger hinterfragen zunehmend, ob die von ihnen finanzierten Unternehmen mit Ausbeutung, Krieg und Umweltverschmutzung oder für saubere Energien und faire Geschäftspraktiken in verbindung gebracht werden. In Deutschland stieg das Investitionsvolumen allein im Jahr 2019 um 23% auf 269 Mrd. Euro – ein Rekordwachstum. Die Investitionen der Privatanleger in Fonds, die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Kriterien berücksichtigen, haben sich im Vergleich zum Jahr 2018 fast verdoppelt. Gemessen am Gesamtmarkt ist der Anteil freilich noch klein: Erst 5,4% aller Fonds und Mandate in Deutschland sind nachhaltig investiert3.  

Doch viele Anzeichen stehen dafür, dass Nachhaltigkeit im Finanzmarkt nicht nur ein kurzfristiger Trend ist. Denn zur Erreichung internationaler Ziele wie der Sustainable Development Goals (SDGs) oder der Pariser Klimaziele sind große Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle und Innovationen sowie eine grüne und sozialgerechte Infrastruktur nötig.

Nicht nur in Deutschland erfreuen sich soziale und ökologische Anlageformen zunehmender Beliebtheit. Die Zahlen verschiedener Studien zur globalen Situation unterscheiden sich zwar stark je nach Nachhaltigkeitsdefinition, doch alle beobachten einen starken Aufwärtstrend. Auf 30 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 schätzt beispielsweise der Global Sustainable Investment Review den weltweiten Markt – ein Drittel mehr als noch 2016. Fast die Hälfte aller professionell gemanagten Anlagen sei bereits nachhaltig angelegt4.  Allerdings gilt bei dieser Studie jedes Investment als „nachhaltig“, das einzelne Kriterien wie Waffenherstellung und -handel, Korruption oder fossile Energieträger ausschließt. Das Volumen der Anlagen, die explizit Umwelt-, Sozial und Governance Aspekte (sog. ESG-Kriterien) einbeziehen, schätzen die Autoren auf 17,5 Billionen US-Dollar.

Infobox:

In Deutschland gibt es etwa 1,8 Billionen Euro an Spareinlagen. Ein riesiges, aber schlummerndes Potenzial für mehr nachhaltige Entwicklung.

 

Die Politik fördert nachhaltiges Wirtschaften

Hinzu kommen politische Anreize zum verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur. So nahm die Bundesregierung allein im Jahr 2017 mehr als 17 Milliarden Euro für Forschung und Innovation zu Nachhaltigkeit in die Hand. Ebenfalls seit 2017 besteht in Europa die Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, zu ihrer Unternehmensverantwortung in Form von nicht-finanziellen Kennzahlen Stellung zu nehmen (CSR-Berichtspflicht). Damit Firmen die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte besser umsetzen, wird im Bundestag ein Lieferkettengesetz diskutiert. Internationale Abkommen wie die Pariser Klimaziele übersetzen sich in Maßnahmen wie die Einführung einer CO2-Steuer und sorgen auch für zunehmend ambitioniertere Nachhaltigkeitsziele bei Unternehmen. 

Experten schätzen, dass der Green Deal der Europäischen Union mittelfristig die Geschäftsstrategie von Unternehmen beeinflussen wird. Denn für das europäische Parlament ist der ,,Übergang zu einer CO2-armen, nachhaltigen, ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft für die Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft von zentraler Bedeutung‘‘. Dieser Pfad zur Klimaneutralität bedürfe zusätzlicher Investitionen von 260 Mrd. Euro pro Jahr. 

Mit ihrem „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ legt die EU seit 2018 eine konzeptionelle Grundlage dafür, die Geldflüsse im Wirtschaftsraum EU nachhaltig zu lenken. Dazu gehören auch neue Regelungen für den Verbraucherschutz: Sie verpflichten Anlageberater, Nachhaltigkeit im Kundengespräch zu thematisieren und Privatanleger über nachhaltige Investitionsmöglichkeiten zu informieren. 

Mit der EU-Taxonomie entsteht derzeit ein Rahmen, um nachhaltige Geldanlagen einheitlich zu bewerten und zu klassifizieren. All diese Entwicklungen führen dazu, dass es sich mehr und mehr lohnt, Treibhausgase zu reduzieren, Ressourcen zu schonen und faire Geschäftspraktiken durchzusetzen.

Warum immer mehr Großinvestoren in Nachhaltigkeit investieren

Institutionelle Anleger wie Stiftungen und Kirchen pflegen eine lange Tradition, ihr Geld nach ethischen Werten anzulegen. In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch ab, dass auch Versicherer, Vermögensverwalter, Pensionskassen und Versorgungswerke den Reiz ökologischer und sozialer Anlagen für sich entdecken. Rund 90% der nachhaltigen Investments sind in den Händen institutioneller Anleger.

Kaum ein Großinvestor kommt noch an der Integration sogenannter ESG-Kriterien vorbei. Sie zu berücksichtigen bedeutet, bei der Anlageentscheidung Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte zu prüfen. Dieses Vorgehen verbessert das Risikoprofil einer Investition, was besonders für langfristig wirtschaftende Institutionen wie Versicherungen essentiell ist.

Die Europäische Union drängt mit ihrem Aktionsplan für nachhaltige Finanzen darauf hin, dass Vermögensverwalter einen gemeinsamen Klassifizierungsstandard für nachhaltige Geldanlagen verwenden („EU-Taxonomie“). Unternehmen sollen zudem offenlegen, wie sie ESG-Faktoren in ihren Anlageprodukten berücksichtigen (Offenlegungsverordnung). Die Regelung sollen es erleichtern, Finanzprodukte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistung miteinander zu vergleichen.

Nicht nachhaltige Investments stellen für immer mehr institutionelle Investoren eine tickende Zeitbombe im Portfolio dar. „Klimarisiken sind Investmentrisiken“ , schrieb 2020 der Chef der größten Vermögensverwaltung der Welt, Larry Fink von Blackrock. In seinem Brief rief er tausende Manager auf, konsequent auf Nachhaltigkeit zu achten und riet seinen Kunden, Investments aus fossilen Brennstoffen abzuziehen. Durch solche sogenannten Divestments haben allein bis 2019 mehr als 1.100 Institutionen rund elf Billionen Dollar aus großen Öl-, Gas und Kohlekonzernen abgezogen. Wer zu lange auf fossile Anlagen setzt, muss mit hohen Abschreibungen rechnen.

Das Beispiel der Großanleger zeigt: Wer sein Geld nachhaltig anlegt, investiert in die Zukunft und kann es doppelt sinnvoll einsetzen: Zum Aufbau seines Vermögens und zum Erhalt der Umwelt sowie für soziale Belange.

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.

Mahatma Gandhi, 1869-1948

Greenwashing oder Umweltschutz: Nachhaltige Anlageformen erkennen

Was bedeutet nun eigentlich „nachhaltig“, „grün“, „sozial“, „ökologisch“ und „Impact“ für den Anleger?

Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“, „sozial“, „ökologisch“ und „Impact“ werden bisher noch häufig ohne fest Definition für Geldanlagen verwendet. Das Spektrum nachhaltiger Kapitalanlagen beinhaltet eine ganze Reihe von Investmentphilosophien, Instrumentarien und Methoden. Umso wichtiger ist es, die grundlegenden Anlagestrategien zu kennen und unterscheiden zu können. 

Als Standard hat sich dabei der sogenannte ESG-Ansatz herauskristallisiert. Er betrachtet Aspekte im Bereich Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance). Dazu gehören zum Beispiel Energieverbrauch, Abfallproduktion, Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette sowie Korruptionsprävention. Je nach Methode werden diese Informationen im Überprüfungsprozess – dem Screening – abgefragt und einbezogen.

Die eine Seite des Nachhaltigkeitsspektrums bilden Investmentansätze, die Ausschlusskriterien anwenden. Sie repräsentieren bisher das größte Volumen. Am anderen Ende des Spektrums liegen Impact Investments, die neben der Rendite eine messbare positive ökologische bzw. soziale Wirkung erzielen wollen. Sie beziehen sich am stärksten auf die Realwirtschaft.

Ausschlusskriterien

Waffen, Atomkraft, Gentechnik, Glücksspiel oder Tabak: Bestimmte umstrittene Branchen wollen Anleger nicht finanzieren. Durch ein Negativ-Screening kommen die Unternehmen gar nicht erst ins Portfolio. Dieser Nachhaltigkeitsanspruch ist relativ niedrig, da nicht explizit nachhaltge Tätigkeiten gefördert werden. Er schließt aber immerhin einige nicht nachhaltige Unternehmen und Länder aus.

Positivkriterien

Umweltmanagement, Sozialstandards, Effizienztechnologien: Beim Positiv-Screening werden Unternehmen, Länder, Branchen und Projekte auf bestimmte positive ESG-Aspekte hin geprüft und entsprechend ins Portfolio aufgenommen.

Best-in-Class-Ansatz

Der grünste Autohersteller, der Lebensmittelkonzern mit guter Mitarbeiterbehandlung, die Chemie-Gruppe mit der intensivsten Nachhaltigkeitsforschung: Der Best-in-Class-Ansatz macht die (börsennotierten) Klassenbesten jeder Branche sichtbar, auch wenn der Sektor selbst nicht unbedingt nachhaltig ist. 

Normbasierter Ansatz

Zwangs- und Kinderarbeit, Korruption oder Todesstrafe: Beim normbasierten Screening werden Investments auf ihre Konformität hinsichtlich internationaler Normen geprüft. Dazu gehören Leitlinien von OECD, UNICEF, ILO und Vereinten Nationen.

ESG-Integration

Explizite ESG-Investments integrieren systematisch ökologische, gesellschaftliche Faktoren sowie Aspekte der nachhaltigen Investitionsentscheidungen. Ziel der Investment-Manager ist unter anderem die Minimierung von Nachhaltigkeitsrisiken für die Geldanlage.

Themenfonds

Erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, Bildung: Nachhaltige Themenfonds setzen bestimmte Schwerpunkte in der Auswahl der Unternehmen, vor allem über Branchen. Dazu gehören zum Beispiel Umweltfonds für nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Wasser, Energieeffizienz und grüne Immobilien.

Impact Investing

Konkret, gezielt und messbar: Beim Impact Investing verbinden sich finanzielle Rendite und ökologische bzw. soziale Wirkung. Das Kapital unterstützt konkrete Nachhaltigkeitsprojekte, die ein gesellschaftliches Problem lösen, z.B. im Bereich Armutsbekämpfung, erneuerbare Energien, grüne Technologien, Landwirtschaft oder Waldaufforstung.

Was wirklich nachhaltig ist, bleibt schwer einzuschätzen. Inzwischen gibt es daher eigene Rating- und Research-Agenturen, die Unternehmen, Finanzprodukte und Staaten unter Nachhaltigkeitskriterien gemäß dem ESG-Ansatz bewerten. Die daraus entstehenden Nachhaltigkeitsratings sind für Investoren und Fondsmanager ein hilfreiches Instrument, um Wertpapiere zu analysieren und Portfolios zusammenzustellen.

Ob ein als „grün“, „ethisch“ oder mit „ESG“ bezeichnetes Investment tatsächlich eine nachhaltige Wirkung entfaltet, ist nicht immer garantiert. Das sogenannte Greenwashing beschreibt ein Aktivität, bei der Unternehmen Produkte nachhaltiger verkaufen, als sie eigentlich sind.

Fragen, die bei der Überprüfung helfen, sind z.B.:

  • Zielsetzung: Was bewirkt die Investition für Nachhaltigkeit?
  • Wirkung: Fließt das Geld in die Realwirtschaft oder zirkuliert es nur innerhalb der Finanzwirtschaft? 
  • Transparenz: Wie wird Nachhaltigkeit gemessen, worüber berichtet?

Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Die Grafik zeigt das Spektrum zwischen Realität und Ziel von nachhaltigen Anlagen und ordnet die Anlageformen ETFs mit Exklusionskriterien, ESG-Strategiefonds und Impact Fonds ein

Nachhaltige Geldanlagen: Diese Möglichkeiten haben Anleger

Anleger finden unter dem Oberbegriff der nachhaltigen Geldanlage zahlreiche Begriffe, Formen und Produkte. Im Kern verbinden sie alle das Ziel des ökonomischen Erfolgs mit bestimmten nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten in der Anlagestrategie.

Nachhaltige Geldanlagen – Definition

„Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte“.

Forum Nachhaltige Geldanlagen6

klimaVest: Die Grafik zeigt das magische Viereck der Vermögensanlage für die Anlageform ELTIF am Beispiel klimaVest

Dabei wird das bei der Finanzanlage bekannte wirtschaftliche Dreieck ergänzt. Klassischerweise soll es die Ansprüche an Ertrag, Liquidität und Sicherheit ausbalancieren. Nachhaltigkeit setzt diese wirtschaftlichen Ziele in einen größeren Kontext und platziert soziale und ökologische Aspekte gleichwertig daneben. Die Idee hinter den drei Nachhaltigkeitssäulen: Alles wirkt zusammen und baut aufeinander auf. Die Wirtschaftlichkeit thront nicht an der Spitze, sondern ihr Erfolg gründet sich auf einer gesunden Umwelt und einem fairen gesellschaftlichen Miteinander. Ohne intakte Basis stürzt das Kartenhaus früher oder später zusammen.

Bankkonten

Banken verleihen das Geld ihrer Sparer in Form von Krediten an Unternehmen und Institutionen. Da lohnt es sich, die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Bank allgemein zu betrachten, um einen Eindruck über die Praktiken der Kreditvergabe zu bekommen.

Aktien

Wer Anteile an börsennotierten Unternehmen erwirbt, unterstützt dessen Wirtschaftsweise dadurch nur mittelbar. Unternehmen können das Geld nicht direkt in nachhaltige Innovationen investieren, weil das Geld beim Aktienkauf meist nur an den Vorbesitzer fließt. Doch ein höherer Börsenkurs steigert den Wert des Unternehmens, wodurch es zum Beispiel leichter Kredite von Banken erhält und so Nachhaltigkeitsprojekte finanzieren könnte. Ob es dies tut oder in andere, weniger nachhaltige Bereiche investiert, darauf haben Kleinanleger aber keinen Einfluss.

Wenn Aktionäre ihre Stimme als Anteilseigner einer AG erheben, kann dies die Unternehmenspolitik „nachhaltig“ beeinflussen. Der Dialog zwischen Anlegern und Unternehmensführung und die Stimmrechtsausübung auf Hauptversammlungen für einen nachhaltigeren Kurs des Konzerns wird auch Shareholder Engagement genannt. Diese Möglichkeit nehmen vor allem Großinvestoren wie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften wahr, um Umwelt- und Sozialstandards durchzusetzen. 

Anleihen / Green Bonds

Bei Anleihen und grünen Bonds (Rentenfonds) fließt das Geld der Anleger in Kredite an Länder oder Firmen, die sogenannten Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen. Verbunden mit ESG-Kriterien schließen sie bestimmte Branchen und Praktiken aus, zum Beispiel Unternehmen, die fossile Energien fördern oder Länder, die keine Rechtsstaaten sind. Manche Bonds setzen Positivkriterien an und investieren z.B. in Wald, Windkraft oder Effizienz-Technologien. 

ESG-Fonds

Für alle Kategorien von Fonds gibt es inzwischen nachhaltigere Alternativen. Sie sind oft an verschiedenen Begriffszusätzen zu erkennen, z.B. SRI (Socially Responsible Investing), ESG (Environment, Social, Governance), Fair Value, Responsible, Öko, Ethik oder Impact (wirkungsorientiertes Investieren).

Nachhaltige Indexfonds (ETFs) bilden einen Index nach, in dem bestimmte Sektoren wie Waffen oder Alkohol ausgeschlossen werden („Ex“) oder Unternehmen als Klassenbeste ihrer Branche (Best-in-Class) ausgewählt werden. Sie werden daher auch als passive Fonds bezeichnet.

Aktiv gemanagte Fonds sind zwar teurer, weil die Auswahl der Unternehmen durch Experten und Analysten aufwändiger ist. Gleichzeitig verfolgen diese Investmentfonds oft einen höheren Nachhaltigkeitsanspruch, da sie jeden Titel einzeln nach bestimmten Kriterien auswählen können, die dem Anleger in der Regel auch kommuniziert werden. 

Crowdinvesting

Startups und Projekte sammeln gern Geld über eine große Menge von Menschen – die „Crowd“ – beim sogenannten Crowdinvesting ein. Ob Kulturprojekt, ökologisches Garten-Equipment oder Elektro-Moped: Viele gute Ideen können die Kombination aus Finanzierung und Fan-Basis für einen erfolgreichen Start brauchen. 

Anleger werden dabei Miteigentümer oder Kreditgeber, oft in Form relativ riskanter Nachrangdarlehen. Daher sollte man sich die Projekte sehr genau ansehen und nicht investieren, wenn man sich selber als eher sicherheitsorientiert einschätzt.

Impact Fonds

Impact Investment steht für wirkungsorientiertes Investieren und verbindet das Ziel der finanziellen Rendite und mit einer messbaren Nachhaltigkeitsleistung. Zusätzlich zum Ansatz der ESG-Fonds, nämlich Aspekte von Ökologie, Sozialem und Unternehmensführung zu berücksichtigen, geht es bei Impact um die Erreichung konkreter Ziele. Sie orientieren sich zum Beispile an den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. 

Manche Impact Fonds setzen eher soziale Schwerpunkte. Dann fließt das Geld zum Beispiel in soziales Unternehmertum (Social Entrepreneurship), Kleinstkredite an Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern (Microfinance) oder Bildungsprojekte. Ökologisch orientierte Impact Investments finanzieren etwa grüne Mobilitätsanbieter, Waldaufforstung oder erneuerbare Energien für mehr Klimaschutz.

Der wesentliche Unterschied beim Impact Investing im Vergleich zu Aktien oder anderen Fonds ist, dass das Geld der Anleger in die Realwirtschaft fließt und nicht Gefahr läuft, nur in der Finanzwirtschaft zuzirkuliert. Die nachhaltige Wirkung ist dadurch direkter und muss gemessen und transparent gemacht werden.

Hier können Sie tiefer einsteigen

Wenn nachhaltige Geldanlagen vor dem Lesen dieses Artikels neu für Sie waren, lassen Sie sich nicht verunsichern. Zwar erscheint das Thema Nachhaltigkeit zunächst komplex. Doch jeder Anleger kennt seine individuellen Werte am besten und kann diese mit dem Anspruch des jeweiligen Angebots abgleichen. Dabei helfen Übersichten und Checklisten, die Lektüre von Fachartikeln sowie der Erfahrungsaustausch mit anderen Anlegern.

Info: Checkliste für nachhaltiges Investieren

Mit dieser kurzen Checkliste können Sie Ihre Investments in nachhaltige Finanzprodukte prüfen.

Leitfragen für nachhaltige Geldanlagen

  1. Bezug zur Realwirtschaft: Was hat das Investment mit der „realen“ Welt zu tun? 
  2. Weg des Geldes: Wohin fließt das Kapital?
  3. Zielsetzung für Nachhaltigkeit: Welche Wirkung hat die Investition?
  4. Transparenz über Zielerreichung: Wie wird gemessen, worüber berichtet?
     

Typische Vorurteile über nachhaltige Geldanlagen

Bei nachhaltigen Geldanlagen muss man doch Rendite aufgeben, oder?

Mitnichten. Die Erträge nachhaltiger Geldanlagen sind durchschnittlich gleichauf oder leicht besser als die Rendite konventioneller Investments. Wissenschaftliche Erkenntnisse darüber sind mit ein Grund dafür, das sich immer mehr Anleger für Nachhaltigkeit interessieren7

Man kann die nachhaltige Wirkung doch gar nicht messen, oder?

Die Messung der nachhaltigen Wirkung ist komplex und birgt Unsicherheiten. Es werden jedoch Analyseinstrumente entwickelt und stetig verbessert. Mit Hilfe von sogenannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) bewerten Ratingagenturen die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen. Und Impact Investments gehen einen Schritt weiter und setzen sich konkrete, messbare Ziele, über deren Erreichung regelmäßige Reports transparent berichten. 

Um Nachhaltigkeit zu verstehen, muss man doch Experte sein, oder?
Weniger, als man denkt, denn für die eigenen Werte ist man schließlich der größte Experte. Was dem einzelnen Anleger beim Investieren wichtig ist, weiß er selbst am besten. Herausfinden lässt es sich über Checklisten* und Gespräche mit Kundenberatern, die künftig auch Nachhaltigkeit thematisieren müssen.

Eine 100% nachhaltige Anlage gibt es doch gar nicht, oder?

Stimmt. Wie in der Natur und in der Gesellschaft hängt auch in der Wirtschaft alles zusammen. Wo kommen Rohstoffe, Finanzmittel und Arbeitskraft eines Unternehmens her – haben sie eine ökologisch oder sozial „schwierige“ Vergangenheit? Selbst das nachhaltigste Produkt kann nicht komplett emissionsfrei zum Kunden gelangen. Nachhaltige Entwicklung ist eben ein Prozess, der sich aber mit nachhaltigen Geldanlagen beschleunigen lässt. Für diesen Weg gilt angesichts der globalen Herausforderungen: „Macht nix, wenn’s schnell geht“. Jeder Euro zählt.

Tu was Du kannst, mit dem was Du hast, dort wo Du bist.

Theodore Roosevelt (1858-1919)

Wie nachhaltige Geldanlagen das Klima schützen und Gerechtigkeit fördern

Nachhaltige Geldanlagen sind nichts für Idealisten, sondern für Menschen, die nicht an Wunder glauben.

Nachhaltige Geldanlagen sind nichts für Idealisten, sondern für Menschen, die nicht an Wunder glauben. Wenn Sie das überrascht, lohnt sich eine nähere Betrachtung der globalen Situation. Um den Planeten lebenswert und die Gesellschaft zukunftsfähig zu halten, braucht es eine intakte Umwelt, Bildung, sozialen Frieden und eine sichere, saubere Versorgung mit Energie und Ressourcen. Doch die bestehenden Probleme verschwinden nicht von allein. Armut und Hunger gehen nicht freiwillig ins Museum, wie es sich der Nobelpreisträger Muhammad Yunus zum Ziel gesetzt hat. Wälder forsten sich nicht von alleine auf. Solaranlagen entstehen nicht aus dem Nichts. Schüler kommen nicht ohne Lehrer und Materialien zum Abschluss, und nachhaltige Produkte entwickeln sich nicht von allein. Für all das braucht es finanzielle Mittel – oder ein Wunder. Immer mehr Menschen entscheiden sich, das Wunder selbst zu machen, indem sie ihr Geld nachhaltig anlegen.

Jede Branche birgt Potenziale für mehr Nachhaltigkeit

Mobilität, Lebensmittel, IT, Kleidung: Egal in welche Branche man schaut, es gibt riesige Chancen für ökologische und soziale Innovationen. Der weltweite Mobilitätsbedarf steigt, doch gleichzeitig entstehen viele nachhaltige Alternativen wie (Fahrrad-)Sharing-Modelle und elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Der globale Ressourcenverbrauch geht nach oben, doch gleichzeitig setzen immer mehr Unternehmen auf kreislauffähiges Produktdesign und Recyclingsysteme. Jeder Mensch braucht Kleidung, doch heute kann er sich beim Kauf für ethisch und fair hergestellte Ware entscheiden. Nachhaltigkeitsstandards und -Siegel definieren, inwiefern sich ein Unternehmen für Gerechtigkeit einsetzt oder ein sinnstiftendes Geschäftsmodell verfolgt. 

Wer auf Nachhaltigkeit achten möchte, schaut also erstens auf den verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Ressourcen der Erde, zweitens auf das soziale und faire Geschäftsverhalten und drittens auf die ökonomisch tragfähige Führung eines Unternehmens.

Müll vermeiden und Obdachlosen helfen

Besonders wirkungsvoll sind nachhaltige Geldanlagen, wenn sie eine konkrete Veränderung anstoßen – wie bei einem interessanten neuen Ansatz: Über sieben Milliarden Euro neuwertige Waren werden in Deutschland jedes Jahr vernichtet. Viele Produkte landen auf dem Müll, nur weil zu viele davon produziert wurden oder sie einen winzigen Fehler haben. „Spenden statt vernichten“ ist deshalb die Devise von einer neuen gemeinnützigen GmbH. Das Sozialunternehmen sammelt im großen Stil für die Entsorgung vorgesehene Verbrauchs- und Investitionsgüter von Hersteller- und Handelsunternehmen ein und vermittelt sie als Sachspenden an soziale Organisationen. Die Produkte sind fabrikneu und voll gebrauchsfähig, aber waren z.B. nur für eine limitierte Promotion-Kampagne oder als Saisonware gedacht. Obdachlosen oder Flüchtlingen ist das egal – sie freuen sich über die Produkte, die sie von den gemeinnützigen Organisationen erhalten. Diese zahlen für die Vermittlung lediglich eine Gebühr in Höhe von 5-20 % des Marktwertes der bestellten Waren, woraus sich ein Teil der Selbstkosten des Unternehmens finanziert. So entsteht eine Win-Win-Situation für Hilfsbedürftige, die Umwelt und die über 70 Spender-Unternehmen. Mehr als eine halbe Million Menschen profitierten bereits von der Hilfe und 1.250 gemeinnützige Organisationen konnten durch die vergünstigte Ware über 16 Millionen Euro einsparen. Gleichzeitig wuchsen die Abfallberge um 2.000 Tonnen Müll weniger. Das Sozialunternehmen wird durch einen Impact Fonds mitfinanziert – ein Beispiel, wie das Geld von Anlegern konkret etwas bewirken kann.
 

Wie viel CO2 ein nachhaltiges Investment sparen kann

Rechenbeispiel für Treibhausgas-Emissionen zur Verbildlichung

Untersuchungen zeigen, dass Investment-Portfolios mit CO2-intensiven Unternehmen sich finanziell schlechter entwickeln als solche mit niedriger CO2-Intensität8.  Das liegt vor allem daran, dass solche Treibhausgasemissionen zum Klimawandel beitragen und die bisher von den Unternehmen externalisierten Kosten dafür zunehmend eingepreist werden, vor allem durch gesetzliche Entwicklungen wie die CO2-Steuer. Umweltaspekte in die Geldanlage einzubeziehen, kann sich also auszahlen. Doch was können nachhaltige Geldanlagen konkret für den Klimaschutz bewirken?

Einheitliche Berechnungsmethoden für CO2-Einsparungen durch klug geplante Investments gibt es nicht, aber es gibt Beispiele. Angenommen, es lassen sich mit einer Investition von 10.000 Euro in einen Impactfonds 3,7 Tonnen Kohlendioxid vermeiden. Der Fonds investiert dafür zum Beispiel in Erneuerbare Energien, grüne Stromnetze und nachhaltige Mobilität. Diese Einsparung entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch von 2,5 Haushalten. Der gleiche CO2-Ausstoß würde entstehen, wenn man mit einem Mittelklasse-Benziner sieben Mal von Berlin nach Paris und zurück fahren würde.

Ein Mann läuft auf einem Feld Richtung Sonne und streckt die Arme in die Höhe und freut sich über seinen guten CO<sub>2</sub>-Fußabdruck durch seine Investition in den Impact Fonds klimaVest

Mit einem CO2-Rechner lässt sich der eigene CO2-Fußabdruck berechnen und in Relation zur CO2-Vermeidung der Geldanlage setzen. In Bereichen wie Wohnen und Mobilität fallen in der Regel die meisten Treibhausgase an, doch auch das Konsumverhalten spielen eine Rolle. Der durchschnittliche Deutsche verursacht im Jahr etwa elf Tonnen CO2. Den größten Anteil davon machen Heizung, Strom, Ernährung und Mobilität aus. Ein Teil davon lässt sich nicht durch individuelles Verhalten vermeiden, sondern braucht systemische Veränderung. Mit einem nachhaltigen Fonds kann man dazu beitragen, die Infrastruktur klimafreundlicher zu gestalten. 

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1 www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/klimaschutz_zahlen_2019_broschuere_bf.pdf
2 BaFin (2019): Wie sicher ist nachhaltig? www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2019/fa_bj_1906_nachhaltige_Geldanlage.html
3 Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG); Marktbericht 2020. www.forum-ng.org/images/Marktbericht_2020/press/Marktbericht2020_PM_D.pdf und fng-marktbericht.org
4 Global Sustainable Investment Review 2018 www.gsi-alliance.org/wp-content/uploads/2019/06/GSIR_Review2018F.pdf
5 www.blackrock.com/corporate/investor-relations/larry-fink-ceo-letter
6 www.forum-ng.org/de/nachhaltige-geldanlagen/nachhaltige-geldanlagen.html
7 Siehe z.B. die Metastudie: Gunnar, F., Busch, T. ; Bassen, A. (2015): »ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies«. In: Journal of Sustainable Finance & Investment 5.4, S. 210–233.
Pinner, W. (2019). Nachhaltiges Investieren: konkrete Themen und ihre Bewertung. Wien: Linde international.
8 CSR-News (2016): Studie: Investoren sollten CO2-Emissionen von Unternehmen berücksichtigen csr-news.net/news/2016/06/12/studie-investoren-sollten-co2-emissionen-von-unternehmen-berucksichtigen/